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Roman-Weltraumteleskop hat erste Testaufnahme gesendet
Das Nancy Grace Roman Space Telescope hat im All erstmals Sternlicht mit seinem Hauptinstrument eingefangen. Die 300-Megapixel-Kamera liefert dabei erwartungsgemäß noch unscharfe, ringförmige Sterne, weil Teleskop und Detektoren noch nicht fokussiert sind. Die Testaufnahme bestätigt, dass das Wide Field Instrument nach dem Start funktioniert und nun für den wissenschaftlichen Betrieb kalibriert werden kann.
Greenbelt (U.S.A.). Seit seinem Start am 30. August 2026 befindet sich das Nancy Grace Roman Space Telescope der US-Raumfahrtbehörde National Aeronautics and Space Administration (NASA) auf dem rund drei Monate langen Weg zum zweiten Lagrange-Punkt L2. Während dieser Reise durchläuft das Observatorium seine Inbetriebnahme, bei der Systeme eingeschaltet, geprüft und für den späteren wissenschaftlichen Betrieb kalibriert werden.
Nun hat das wichtigste wissenschaftliche Instrument des Teleskops erstmals Sternlicht registriert. Das Wide Field Instrument (WFI) ist eine Infrarotkamera mit rund 300 Megapixeln und 18 Detektoren. Ein Team am NASA Goddard Space Flight Center (GSFC) um WFI-Instrumentwissenschaftler Josh Schlieder hat die Kamera schrittweise aktiviert und mehrere zentrale Funktionen im All getestet.
Vor dem Einschalten blieb das WFI zunächst zehn Tage relativ warm, damit Feuchtigkeit und andere flüchtige Stoffe ausgasen konnten. Am 11. September schaltete das Team die Heizung ab und ließ die Detektoren auf etwa minus 143 Grad Celsius abkühlen. Danach wurden die 18 Infrarotdetektoren aktiviert, während die Temperatur weiter in Richtung der vorgesehenen rund minus 183 Grad Celsius sank.
Anschließend prüften die Ingenieure das interne Kalibriersystem, das Elementrad mit Filtern, Prismen und weiteren optischen Komponenten sowie den Fokusmechanismus. Die Tests bestätigten nach NASA-Angaben, dass das Instrument wie erwartet arbeitet.
„Nach Jahren der Arbeit, in denen wir das Instrument am Boden gebaut und getestet haben, haben wir nun die Bestätigung, dass es im Weltraum funktioniert. Das ist ein enormer Meilenstein für das Team in Goddard, unsere Industrieteams bei BAE Systems, Inc. und Teledyne sowie unsere Wissenschaftszentren. Es bleibt noch viel zu tun, aber wir sind auf dem Weg zu bahnbrechender Wissenschaft“, sagt Josh Schlieder.
Die veröffentlichte Aufnahme ist noch kein wissenschaftliches Bild. Sie zeigt die ersten Photonen von Sternen, die das WFI im All erreicht haben, während sich die Detektoreinheit weiterhin in ihrer Startkonfiguration befindet und die Optik noch weit von der endgültigen Schärfe entfernt ist. Deshalb erscheinen die Sterne als breite, ringförmige Strukturen, deren Licht sich über viele tausend Pixel verteilt.
Gerade diese Unschärfe macht die Aufnahme für die Inbetriebnahme nützlich. Sie liefert eine Ausgangsbasis, anhand derer das Team die Optik ausrichten und den Fokus einstellen kann. Als Nächstes soll außerdem das Feinführungssystem aktiviert werden, mit dem Roman später präzise auf astronomische Ziele ausgerichtet und stabil gehalten werden kann.
Parallel zum WFI hat das Team das Coronagraph Instrument geprüft. Dieses Technologieinstrument soll das helle Licht naher Sterne ausblenden, damit das deutlich schwächere reflektierte Licht großer Exoplaneten und zirkumstellarer Staubscheiben sichtbar werden kann. Bei den ersten Kontrollen bestätigten Ingenieure am Coronagraph Commanding Center von Caltech/IPAC in Pasadena die Kommunikation mit Software, Temperaturregelung, Mechanismen, Kameras und Avionik.
Der Koronograf arbeitet mit Masken, Filtern, Sensoren und verformbaren Spiegeln. Nach den ersten Funktionstests folgt eine längere Phase, in der mögliche Verunreinigungen von empfindlichen Oberflächen entfernt werden sollen.