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3.200 Jahre: Tontafel des ältesten Friedensvertrags der Welt entdeckt
Eine neu identifizierte Keilschrifttafel aus Hattuša gehört zu einer akkadischen Abschrift des Kadesch-Friedensvertrags. Die erhaltenen Zeilen behandeln Menschen, die zwischen Ägypten und dem Hethiterreich flohen, und nennen den Schutz ihrer Häuser vor Zerstörung. Eine vollständige wissenschaftliche Transkription des Fragments ist bislang nicht veröffentlicht.
Ankara (Türkei). Der Kadesch-Friedensvertrag zählt zu den wichtigsten Dokumenten der bronzezeitlichen Diplomatie. Im 13. Jahrhundert v. Chr. regelten der ägyptische Pharao Ramses II. und der hethitische Großkönig Hattušili III. darin Frieden, gegenseitige Hilfe und die Rückgabe von Menschen, die in das jeweils andere Reich geflohen waren.
Der Vertrag ist in mehreren Fassungen überliefert. Ägyptische Versionen stehen als Hieroglyphentexte auf Tempelwänden, während in der Hethiter-Hauptstadt Hattuša schon bei den frühen Grabungen zwischen 1906 und 1912 Fragmente akkadischer Tontafeln gefunden wurden. Das neue Stück ergänzt diesen Bestand um einen weiteren Textzeugen.
Das Fragment kam auf Büyükkale zum Vorschein, der Königsburg im Zentrum Hattušas. Es lag nahe dem sogenannten Gebäude E. Nur eine Seite der Tafel ist erhalten. Nach Angaben des türkischen Kultur- und Tourismusministeriums wurde die Inschrift rund ein Jahr lang wissenschaftlich untersucht, bevor sie einer Abschrift des Kadesch-Vertrags zugeordnet wurde.
Die Ausgrabungen in Hattuša werden seit Jahrzehnten vom Deutschen Archäologischen Institut (DAI) mit türkischen und internationalen Partnern durchgeführt. Projektverantwortlicher ist Andreas Schachner. Eine 2026 veröffentlichte DAI-Auswertung der Arbeiten auf Büyükkale zeigt, dass die Königsburg dichter und komplexer bebaut war als lange angenommen. Der Fundort gehört damit zu einem zentralen Bereich der hethitischen Herrschaft und Verwaltung.
Besonders aufschlussreich ist der erhaltene Textabschnitt. Das Ministerium ordnet die lesbaren Zeilen den Bestimmungen 12 bis 20 des Vertrags zu. Darin geht es um Menschen, die aus Ägypten oder dem Land Hatti flohen und im jeweils anderen Reich Zuflucht suchten. Auf dem neuen Fragment sind nach den bislang veröffentlichten Angaben auch Formulierungen erhalten, nach denen ihre Häuser nicht zerstört werden sollten.
Die bekannten Fassungen des Vertrags zeigen den größeren Zusammenhang dieser Passage. Beide Herrscher verpflichteten sich zur gegenseitigen Rückgabe Geflohener. Zugleich enthalten die überlieferten Klauseln Schutzbestimmungen für die Zurückgebrachten und ihre Familien. Der neue Fund ist deshalb vor allem ein zusätzlicher materieller Beleg für einen bereits bekannten Abschnitt des Vertragstextes.
Die Bestimmungen lassen sich dennoch nicht mit heutigem Asyl- oder Flüchtlingsrecht gleichsetzen. Der Vertrag formuliert Pflichten zwischen zwei Herrschern und sieht gerade die Rückführung Geflohener vor. Die Schutzklauseln begrenzen dabei die Behandlung nach der Rückgabe, begründen aber kein individuelles Recht auf Aufnahme im anderen Reich.
Wie genau das neue Fragment geschrieben ist und welche Zeichen im Einzelnen erhalten sind, lässt sich derzeit noch nicht unabhängig anhand einer wissenschaftlichen Edition prüfen. Eine vollständige Transkription und Übersetzung des Stücks ist bislang nicht publiziert. Aussagen zum Wortlaut des neuen Fragments bleiben deshalb auf die Angaben des Ministeriums beschränkt.
Die akkadischen Tontafeln aus Hattuša sind zentrale Quellen für die Außenpolitik der Hethiter. Akkadisch diente in der Spätbronzezeit als Sprache internationaler Diplomatie. Dass nun ein weiteres Fragment des Kadesch-Vertrags aus dem Bereich der Königsburg identifiziert wurde, erweitert die materielle Überlieferung eines Abkommens, das sowohl in Ägypten als auch im Hethiterreich erhalten ist.