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Zahlen, bitte! 172 unvollendete Kanal-Kilometer quer durch Florida
Durch Florida war einst eine Kanal-Abkürzung zwischen Golf von Mexiko und Atlantik geplant. Mit dem Scheitern wurde es zum teuersten Infrastrukturflop der USA.
Um ein Haar wäre Florida, die Wahlheimat des amtierenden US-Präsidenten Trump, eine Insel geworden. Doch mehrere Versuche, den Florida Cross Barge Canal zu bauen, scheiterten. Zuletzt war es der erfolgreiche Widerstand der Umweltschützer, die den dritten Anlauf stoppten. Geblieben ist ein umstrittener Staudamm und ein 172 Kilometer langer Grünstreifen, auf dem bei den Vorarbeiten die Bäume gerodet oder niedergewalzt wurden.
In dieser Rubrik stellen wir immer dienstags verblüffende, beeindruckende, informative und witzige Zahlen aus den Bereichen IT, Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Politik und natürlich der Mathematik vor.
Bereits die Spanier beschäftigten sich mit dem Gedanken, einen schiffbaren Treidelkanal quer durch Florida zu bauen. Im Jahre 1561 schlug der Admiral Pedro Menéndez de Avilés seinem König Philipp II. von Spanien einen Kanal vor, um die von Piraten verseuchte Straße von Florida zu umgehen.
Ernster war die Sache, als der US-amerikanische Verteidigungsminister John C. Calhoun im Jahre 1818 einen Kanal für Militärtransporte forderte. Mit dem 1861 beendeten Bau einer Eisenbahnstrecke von Jacksonville nach Pensacola war das Thema eigentlich erledigt, doch wurden zwischen 1829 und 1911 insgesamt sechs Gutachten zum Bau des Kanals in Auftrag gegeben. Alle Gutachter rieten vom Bau der Wasserstrecke ab.
Doch Floridas Politiker rackerten weiter. Nicht die Piraten, sondern das zur Ostküste hin zu transportierende Öl war jetzt Ansporn genug, die Pläne neu aufzulegen. Immerhin wurde dabei die frühere Kritik der Gutachter berücksichtigt, die auf das empfindliche System der Karstwassergrundleiter verwiesen, auf dem die gesamte Trinkwasserversorgung von Florida und der benachbarten Staaten beruht:Der Kanal durfte maximal nur 3,5 Meter tief statt der ursprünglich als geplanten 9 Meter für seegängige Schiffe sein, damit ausreichend Schutz für dieses empfindliche System vorhanden ist. Aus dem Gulf Atlantic Ship Canal wurde so der Florida Cross Barge Canal, auf dem Barkassen, also flache Lastkähne die Fracht transportierten.
Die ersten Arbeiten an diesem Barkassen-Kanal begannen im Jahr 1935, als das „New Deal“-Programm von US-Präsident Franklin Roosevelt 5 Millionen Dollar zur Verfügung für das Projekt stellte, das jedoch damals schon mit 143 Millionen Gesamtkosten veranschlagt wurde. Für 8000 Arbeiter wurde das „Camp Roosevelt“ eingerichtet, dem die überwiegend von Afroamerikanerinnen bewohnte Kleinstadt Santos weichen musste.
Der Gewerkschaftssekretär George Timmerman, der die Arbeitsbedingungen vor Ort überprüfen wollte, wurde von Mitgliedern des Ku-Klux-Klans überfallen und in der Nähe von Ocala schwer verletzt und mit zugenähtem Mund an einen Baum an ein Kreuz genagelt aufgefunden.
Nach drei Jahren wurde das Projekt gestoppt. Es dauerte sechs Jahre, bis neue Pläne für einen Kanal gemacht wurden. Die Bedrohung der Schifffahrt durch deutsche U-Boote führte dazu, dass man die Pläne für den Gulf Atlantic Ship Canal aus der Schublade holte und das US-Army-Corps of Engineers mit der Aktualisierung beauftragte. Ein Budget von 93 Millionen Dollar wurde bewilligt, aber dann doch nicht abgerufen, weil man ab 1943 den U-Boot-Krieg im Nordatlantik für sich entschieden hatte.
In der Kuba-Krise im Kalten Krieg tauchten die Pläne für den Lastkahn-Kanal wieder auf; die Straße von Florida war erneut ein gefährliches Gewässer geworden. Besonders der US-Präsident L.B. Johnson setzte sich für den Bau des Kanals ein und startete die Arbeiten am 27. Februar 1964 mit einer telegenen Sprengung. 1971 sollte der Kanal in Betrieb genommen werden.