// TAGESSCHAU INLAND — CRONACA
Nächster Anlauf im Bundestag zu umstrittenen Organspende-Regeln
Kontrovers, emotional und persönlich: Mit einer ersten Lesung hat der Bundestag begonnen, das Thema Organspende neu anzugehen. Bei einem sind sich alle einig - es gibt zu wenig Spenden in Deutschland.
In einer teils mit persönlichen Schicksalen untermauerten Debatte hat der Bundestag über eine Neuregelung der Entscheidung zur Organspende diskutiert. Eine fraktionsübergreifende Abgeordnetengruppe brachte einen Entwurf für die Einführung einer Widerspruchsregelung in den Bundestag ein.
Sie würde bedeuten, dass jede erwachsene Person automatisch als Organspender nach dem Tod gilt, die dem nicht ausdrücklich widersprochen hat. Bisher ist für Entnahmen ein ausdrückliches Ja nötig. Eine andere Gruppe lehnt dies strikt ab und brachte einen Gegenvorschlag ein.
Der Bundestag debattiert erneut über eine Reform des Transplantationsgesetzes.
mehr
Für die Befürworter der Widerspruchsregelung ist es schon der dritte Anlauf - nachdem eine erste Initiative 2020 im Bundestag scheiterte und eine zweite wegen der vorgezogenen Wahl 2025 nicht mehr zur Abstimmung kam.
Die Gruppe mit Abgeordneten von CDU, CSU, SPD, Linken und Grünen argumentiert, dass viele Verbesserungen in den vergangenen Jahren keine entscheidende Steigerung der Spenderzahlen bewirkt hätten. Eine Spende solle daher zum "Regelfall" werden. Dafür sollen Organentnahmen bei volljährigen und einwilligungsfähigen Menschen künftig auch dann zulässig sein, wenn man "nicht widersprochen" hat. Vorgesehen ist verstärkte Aufklärung.
Im Bundestag liegt daneben auch ein Gesetzentwurf des Bundesrates vor, der auf die Einführung einer Widerspruchsregelung zielt. Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte: "Das Problem ist einfach, wir haben viel zu wenig Organe." Trotz neuer Ansätze bei Aufklärung und Dokumentation habe sich die Lage nicht wirklich verbessert. Einem Erwachsenen könne man zumuten zu dokumentieren, wie er zur Spende stehe.
Widerspruchsregelung oder Entscheidungslösung bei der Organspende? Die Debatte nimmt wieder Fahrt auf.
mehr
Bodo Ramelow von der Linksfraktion sprach "als Vater" vor den Abgeordneten und schilderte das Schicksal seiner Tochter, für die er selbst sein Knochenmark gespendet habe. Ramelow appellierte als Befürworter der Widerspruchslösung an die Bürgerinnen und Bürger, in der Frage der Organspende eine bewusste Entscheidung zu treffen.
Der Grünen-Abgeordnete Michael Kellner schilderte die Geschichte einer Freundin, die 2009 eine Leber erhalten habe und dadurch 17 Jahre weiterleben konnte. Dieses Jahr sei sie gestorben. "Eine zweite Spenderleber hätte ihre Rettung sein können. Doch wir haben auch 2026 zu wenig Organe."