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Besitzen Frauen wirklich eine höhere emotionale Intelligenz als Männer?
Frauen erreichen im Schnitt höhere Werte bei emotionaler Intelligenz als Männer. Eine Meta-Analyse von 1.279 Arbeiten mit mehr als 609.000 Menschen zeigt jedoch, dass Größe und Richtung der Unterschiede davon abhängen, welche emotionale Fähigkeit getestet wird, auf wen sie sich richtet und ob Leistungstests oder Selbsteinschätzungen verwendet werden. Pauschale Geschlechterurteile greifen deshalb zu kurz.
Cambridge (England). Emotionale Intelligenz gilt oft als eine einheitliche Fähigkeit, Gefühle bei sich und anderen wahrzunehmen, zu verstehen und angemessen mit ihnen umzugehen. Gerade beim Vergleich von Frauen und Männern führte diese breite Definition bislang zu widersprüchlichen Befunden, doch eine neue Meta-Analyse zeigt nun, dass ein einziger Gesamtwert wichtige Unterschiede zwischen einzelnen emotionalen Fähigkeiten verdecken kann.
Dafür hat ein Forschungsteam um Dr. Mary Hausfeld von der University of Limerick (UL) 1.279 wissenschaftliche Arbeiten ausgewertet, die 1.428 Stichproben mit insgesamt 609.278 Menschen aus 76 Ländern umfassten und knapp drei Jahrzehnte Forschung abdeckten. In die Analyse gingen veröffentlichte und unveröffentlichte Arbeiten bis Ende 2023 ein.
Über alle untersuchten Ansätze hinweg erreichten Frauen und Mädchen im Mittel höhere Werte bei allgemeiner emotionaler Intelligenz, besonders deutlich war ihr Vorteil beim Erkennen und Verstehen von Emotionen. Die Auswertung zeigt aber auch Teilfähigkeiten, bei denen der Unterschied kleiner wird, verschwindet oder sich sogar leicht umkehrt.
„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass verbreitete Annahmen über die emotionalen Fähigkeiten von Frauen und Männern oft zu pauschal sind. Statt Stereotype zu verstärken, weisen die Befunde auf ein differenzierteres Bild hin, in dem Geschlechterunterschiede davon abhängen, welche emotionale Fähigkeit untersucht wird und in welchem Kontext sie gemessen wird“, erklärt Dr. Mary Hausfeld.
Entscheidend ist unter anderem, auf wessen Gefühle sich eine Fähigkeit richtet, denn bei Fähigkeiten mit Bezug auf andere Menschen fällt der durchschnittliche Vorteil von Frauen stärker aus als bei Fähigkeiten rund um die eigenen Emotionen. Die Forscher warnen deshalb davor, emotionale Intelligenz als unveränderliche Eigenschaft eines Geschlechts zu behandeln.
Ein zweiter Schlüssel liegt in der Messmethode, denn bei Leistungstests müssen Versuchspersonen konkrete Aufgaben lösen, deren Antworten nach festgelegten Kriterien bewertet werden. Bei Selbsteinschätzungen geben sie dagegen an, wie gut sie ihre eigenen emotionalen Fähigkeiten beurteilen, und der durchschnittliche Vorsprung von Frauen war dabei deutlich kleiner als bei Leistungstests.
„Frauen sind emotional intelligent. Männer glauben, dass sie es sind. Bei Leistungstests ist der Vorsprung von Frauen bei der allgemeinen emotionalen Intelligenz deutlich größer. Bei Selbstauskünften verschwindet er fast. Selbstwahrnehmung und nachgewiesene Fähigkeit sind nicht dasselbe. Die Lücke zwischen Leistung und Wahrnehmung ist faszinierend. Männer könnten ihre emotionalen Fähigkeiten überschätzen, Frauen könnten ihre unterschätzen oder beides könnte zugleich geschehen. Unsere Daten können nicht zeigen, welche Erklärung richtig ist. In jedem Fall sind Selbstvertrauen und Kompetenz nicht dasselbe, und Organisationen sollten beides nicht verwechseln“, sagt Prof. Jochen Menges von der Cambridge Judge Business School.
Die Meta-Analyse kann damit nicht klären, warum Selbsteinschätzung und gemessene Leistung auseinanderliegen, zeigt aber, dass die Wahl des Messverfahrens die beobachtete Größe der Geschlechterunterschiede verändert. Aussagen darüber, wer seine Fähigkeiten über- oder unterschätzt, bleiben daher mögliche Erklärungen und sind kein nachgewiesener Mechanismus.
Auch beim Regulieren von Emotionen hängt das Ergebnis vom Ziel der Regulation ab, denn Frauen schnitten im Mittel besser ab, wenn es darum ging, die Gefühle anderer Menschen zu regulieren. Bei der Regulation der eigenen Emotionen