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Virginie Despentes: Französische Schriftstellerin schreibt per Hand
Braucht es bald ein Gütesiegel »100 Prozent human« für Romane? Die französische Schriftstellerin Virginie Despentes, 57, würde das wohl kaum unterschreiben. Die Autorin von »Das Leben des Vernon Subutex« (2015) und »Baise Moi – Fick mich« (1994), die der französischen Gesellschaft gern den Spiegel vorhält, hat sich in die Debatte über den kanadisch-haitianischen Schriftsteller Thélyson Orélien eingeschaltet – und damit die Kritiker provoziert.
Orélien soll seinen Roman »C’était ça ou mourir« (etwa: »Es war das oder sterben«) mithilfe künstlicher Intelligenz geschrieben haben. Der Vorwurf kam von einem anonymen Account auf X. Als Beleg diente eine Analyse mit dem KI-Detektor »Pangram«. Das Buch war zuvor gefeiert und für mehrere Literaturpreise nominiert worden. Orélien weist die Anschuldigungen zurück. Despentes nahm den Autor nun in einem Fernsehinterview in Schutz: »Orélien muss sich nicht rechtfertigen. Er kann schreiben, wie er will.« Von KI-Detektoren hält sie wenig. Deren Ergebnisse könne man bisher nicht für bare Münze nehmen, findet sie. Sie habe den Roman gern gelesen, er enthalte viele markante Sätze, »eine Poesie, in die man ganz leicht eintaucht«.
Zugleich machte Despentes deutlich, dass KI längst in ihren Alltag als Schriftstellerin eingedrungen sei, allerdings als ungebetener Gast. »Sie ist da, sobald ich meinen Bildschirm öffne, in Word, in Google, ohne mein Einverständnis.« Immer wieder schlage die Software ihr vor, Formulierungen zu glätten. Das sei ermüdend – und habe sie verletzt. Ihre Konsequenz: Sie schreibt wieder von Hand.