// TAGESSCHAU AUSLAND — MONDO
Schüler und Beamte protestieren gegen Sparkurs in Frankreich
Schlechte Ausstattung, zu große Klassen, Ungleichheit: Seit Tagen machen Schüler in Frankreich bei Protesten ihrem Unmut Luft. Einige schlossen sich nun Beamten an, die gegen den Sparkurs der Regierung auf die Straße gingen.
Es ist eine explosive Mischung: Just an dem Tag, für den der öffentliche Dienst im ganzen Land Demonstrationen angekündigt hatte, kulminierten erneut die Schülerproteste. Sie richten sich gegen Unterrichtsausfall, zu wenig Lehrer und psychosoziale Dienste, schlechte Ausstattung.
Eine Schülerin sagt: "Wir blockieren die Schule nicht aus Spaß. Wir wollen lernen, unser Abi machen, wir wollen an die Uni, aber unter diesen Bedingungen ist das nicht möglich." Ein Schüler erklärt: "Wir sind mehr als 35 Schüler pro Klasse, das Schulgebäude ist nicht gut isoliert. Während der Hitze im Sommer ging es uns schlecht, es waren gefühlt über 40 Grad in den Klassenräumen."
Seit ein paar Tagen wächst die Protestbewegung an den Lycées, den Gymnasien. Barrikaden vor den Eingängen, es kam zu zahlreichen Zusammenstößen mit der Polizei. Einige Vermummte - oftmals junge Leute, die gar nicht an den Lycées eingeschrieben sind, so die Vermutung - schossen mit Feuerwerkskörpern auf Polizisten.
Der französische Staat kann durch ein Notgesetz vorerst weiter Steuern ergeben und eingeschränkt weiterarbeiten.
mehr
Doch vielerorts solidarisieren sich die Lehrkräfte mit der Schülerschaft. Wie diese Lehrerin am Lycée Paul Eluard in Saint Denis, dem armen Norden von Paris:
Frankreich müsste eigentlich dringend sparen, doch im Wahlkampf scheint das kaum möglich.
mehr
Auf Anweisung des Innenministers gehen die Sicherheitskräfte hart gegen die Schüler und Schülerinnen vor. Ein Schüler wurde durch eine Tränengasgranate schwer im Gesicht verletzt. Diese Strenge prangern nicht nur die Lehrer an, sondern auch der Präsidentschaftskandidat der linksradikalen LFI, Jean-Luc Mélenchon.
Er warf der Polizei gar Rassismus gegen die Jugendlichen aus den Banlieues vor. Die Vororte sind von Einwanderung geprägt. Premierminister Sébastien Lecornu kritisierte ihn daraufhin öffentlich. Der Vorwurf: LFI schüre die Proteste oder habe sie gar losgetreten, um Stimmen im Wahlkampf vor den Präsidentschaftswahlen 2027 zu gewinnen.
Mélenchon reagierte auf der großen Demo des öffentlichen Dienstes. Er sei stolz, dass LFI an den Schultoren Präsenz zeige, um die Kids zu verteidigen. Eltern und LFI Anhänger sollten sich der "polizeilichen Rohheit" entgegenstellen. In dieser angespannten Lage beschlossen Teile der Schülerschaft, sich dem großen Demonstrationszug des öffentlichen Dienstes anzuschließen.