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RetroSpace: Alle Achtung – so viel System Shock und Prey hatte ich diesem Indie-Trip nicht zugetraut!
Stealth, Rätsel, Action und amüsante Mutationen: Diese Reise durch ein Schwarzes Loch ist nicht nur Retro, sondern richtig gut.
Mist! Gerade wurde ich in einer Klonkammer wiedergeboren und seitdem schleppe ich eine genetisch bedingte Erkältung mit mir rum. Oder was auch immer das ist. Auf jeden Fall heißt das: Wenn ich mich jetzt an einen Gegner heranschleiche, kommt es schon mal vor, dass ich unvermittelt niesen muss. Dann hat sich die Sache mit der Stealth ganz schnell erledigt und ich muss auf Action schalten.
In aller Kürze handelt es sich um eine Hommage an System Shock, in der auch Elemente aus Prey, BioShock und anderen so genannten Immersive Sims zu finden sind. Die zeichnen sich dadurch aus, dass man in praktisch allen Situationen verschiedene Wege finden kann, sie gewaltsam, clever oder durch aufmerksames Studieren der Umgebung zu lösen. Für gefährliche Gegner gilt das ebenso wie für verschlossene Räume und mehr.
Nun ist Munition auf der Raumstation Aurora 5 denkbar knapp. Also suche ich andere Wege; schieße zum Beispiel auf einen Stromkasten, vor dem ich vorher extra eine Wasserlache fabriziert habe, und schon brutzelt das mutierte Rieseninsekt oder was einem sonst so in den oft dunkeln Gängen begegnet. Letztens hatte ich auch eine Überwachungskamera gehackt, sodass der damit verbundene Geschützturm einfach meine Gegner attackierte, wenn ich dorthin geflüchtet bin.
Mit anderen Worten: RetroSpace stellt euch vor eine Reihe wechselnder Probleme, überlässt es aber euch, wie ihr sie löst. Dazu zählt die Art, mit der ihr die Schlösser verriegelter Türen entweder knackt oder den Code dafür sucht oder euch über einen Lüftungsschacht Zugang verschafft. Und was die genetischen Makel angeht: Es kann nach dem Wiederbeleben in einer Klonkammer auch passieren, dass man Gespenster halluziniert, sich nach dem Verspeisen heilender Lebensmittel übergeben muss oder an einer Art Tourette-Syndrom leidet und deshalb ständig am Fluchen ist.
Das ist nicht politisch unkorrekt, sondern auf charmante Art unterhaltsam. Zumal ich es klasse finde, dass man in RetroSpace keinen Hacker oder anderweitig begabten Helden spielt, sondern einen verdammten Hausmeister. Der riesige Schraubenschlüssel befindet sich damit ausnahmsweise mal in Händen, in die er auch gehört. Das Gleiche gilt für die Spraydose, mit der ich nicht nur Wasserlachen auf den Boden spritze, sondern ein Computerterminal erst von Blut säubern musste, bevor ich es richtig lesen konnte.
Nur die Waffen waren vermutlich nicht für Hausmeister gedacht. Allerdings ist ja sonst jeder, der auf Aurora 5 entweder gearbeitet oder auf dem Weg zu einem neuen Zuhause für die Menschheit Tiefschlaf gehalten hat, tot oder mutiert, nachdem die Station in ein Schwarzes Loch gezogen wurde. Und so ist man gleichermaßen Hausmeister und Actionheld, während man im Gegensatz zu den klar erkennbaren namhaften Vorbildern von gleich zwei Stimmen durch die Station geleitet wird: der des zunächst gesichtslosen Dr. Nebula (sein Name ist offenbar Programm) sowie der eines Computers.
Das Schöne an RetroSpace sind dabei nicht nur die Referenzen an vor allem System Shock sowie Prey (für sich genommen ja ebenfalls eine moderne Version des Cyberpunk-Klassikers), sondern dass es zum einen herrlich unterhaltsam ist, ohne jemals albern zu sein. Ja, es gibt sogar Momente, in denen ich mich kurz erschrocken habe. Wobei ich Aurora 5 in ihrem altmodischen Kanten- und Pixellook nicht zuletzt als angenehm schick empfinde.
Zum anderen bringt Indie-Studio The Wild Gentlemen, das sich bisher vor allem durch dialoglastige Erzähl- und Rätselspiele wie Chicken Police hervorgetan hat, eine Reihe eigener Ideen ein, mit denen seine Immersive Sim – denn genau das ist RetroSpace – durchaus neben, nicht nur hinter ihren Vorbildern stehen kann.
Dass die Waffen spezielle Fähigkeiten haben, mit denen die Kugeln der Pistole etwa von Wänden abprallen, sodass man Gegner hinter Ecken erlegen kann, ist da noch die kleinste und natürlich au