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Microsofts WSL bekommt eigene Laufzeit für Linux-Container
Microsoft erweitert das Windows Subsystem for Linux (WSL) um eine eigene Container-Laufzeit. Die Anfang Juni auf der Build 2026 vorgestellte und bislang als Vorschau verfügbare Funktion WSL-Containers ist seit dem 29. September allgemein verfügbar und Bestandteil von WSL 3.0.1. Linux-Container lassen sich damit direkt unter Windows erstellen und ausführen, ohne zuvor Docker Desktop oder eine andere separate Container-Engine installieren zu müssen.
Im Zentrum steht das neue Kommandozeilenwerkzeug wslc.exe, wobei sich die Bedienung an etablierten Container-Werkzeugen orientiert. So startet beispielsweise wslc run --rm hello-world einen einfachen Testcontainer. Images lassen sich herunterladen, auflisten, bauen und verwalten, laufende Container starten, stoppen oder inspizieren.
Technisch laufen die Linux-Container weiterhin auf Basis der Virtualisierung von WSL. Linux-Container können ihren Kernel nicht direkt mit Windows teilen und benötigen daher weiterhin eine Linux-Umgebung. Neu ist vor allem, dass Microsoft die dafür notwendige Container-Infrastruktur unmittelbar in WSL integriert. Für Anwender entfällt damit die Installation einer zusätzlichen Container-Lösung wie Docker Desktop.
Neben dem CLI stellt Microsoft eine Programmierschnittstelle bereit, über die Windows-Anwendungen Linux-Container selbst erzeugen und steuern können. Das API unterstützt unter anderem das Laden von Images, das Starten und Stoppen von Containern, Dateisystem-Mounts, Netzwerkzugriffe, Ein- und Ausgabe von Prozessen sowie den Zugriff auf GPUs. Microsoft sieht darin unter anderem eine Grundlage für Anwendungen, die lokale KI-Workloads oder für Cloud-Umgebungen entwickelte Dienste direkt auf Windows-Systemen ausführen.
Gegenüber der im Juni veröffentlichten Vorschau hat Microsoft den Funktionsumfang seither weiter ausgebaut. Neu hinzugekommen sind unter anderem Befehle wie wslc container restart zum Neustart von Containern und wslc container cp zum Kopieren von Dateien zwischen Host und Container. Weiterhin unterstützt die Laufzeit inzwischen Health Checks, Mounts sowie das nachträgliche Verbinden und Trennen von Container-Netzwerken. Mit wslc events lassen sich Container in Echtzeit verfolgen, während wslc system info Informationen über die Container-Umgebung liefert. Auch der Speicherort für die von WSL Containers verwendeten Daten lässt sich mittlerweile konfigurieren.
Die Integration in bestehende Entwicklungswerkzeuge nimmt ebenfalls zu. Visual Studio Code kann wslc als Treiber für Dev-Container verwenden. Unterstützung gibt es außerdem für Aspire und die Container-Erweiterung von Visual Studio Code. Für Unternehmen hat Microsoft die vorhandene WSL-Integration in Microsoft Defender for Endpoint und Intune auf Container ausgeweitet. Administratoren können WSL Containers damit vollständig sperren oder Image-Downloads auf freigegebene Registries beschränken.
Ein vollständiger Ersatz für Docker oder Podman ist WSL Containers derzeit allerdings noch nicht. Insbesondere eine Unterstützung für Compose-Dateien fehlt. Microsoft bezeichnet diese Funktion als eine der wichtigsten Anforderungen aus der bisherigen Testphase und arbeitet bereits daran. Geplant ist, vorhandene compose.yaml-Dateien möglichst unverändert verwenden zu können. Einen Termin für die Umsetzung nennt Microsoft bislang jedoch nicht.
Parallel arbeitet das Unternehmen weiter an grundlegenden Schwachstellen von WSL, darunter Netzwerkfunktionen und die Geschwindigkeit beim Zugriff von Linux auf Dateien im Windows-Dateisystem. Bei WSL Containers setzt Microsoft dafür unter anderem auf VirtioFS. Nach Angaben des Unternehmens können Zugriffe auf Windows-Dateien damit bis zu doppelt so schnell erfolgen wie mit bisherigen Verfahren. Eine neue Netzwerkarchitektur namens Consommé soll zudem die Kompatibilität bei Container-Workloads verbessern.