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Influencer werden für ethische Jagd zum Problem
Für die Reichweite in sozialen Medien bringt Action oft mehr als Jagdethik. Einen verantwortungsvollen Umgang mit Waffen gibt es dabei bisweilen nicht. Jagdausstatter distanzieren sich deshalb von einigen Influencern.
Für Nicolas Rath ist die Jagd mehr als ein Hobby, sie ist eine Haltungsfrage. Der 38-Jährige schätzt das unmittelbare Erleben der Natur zu jeder Jahreszeit - und genießt selbst erlegtes Wildfleisch: "Das hochwertigste Lebensmittel, das wir uns vorstellen können." Ein eigenes Revier hat er noch nicht, er gilt als "Jungjäger". Denn seinen Jagdschein hat er vor zwei Jahren gemacht. Pachten geht erst nach drei Jahren.
Deshalb ist der Hamburger froh, wenn er zu Gesellschaftsjagden eingeladen wird. Dort hat er Gelegenheit, von erfahrenen Jägern wertvolle Tipps zu erhalten. Theoretische Grundlagen, den Umgang mit der Waffe - das, sagt Rath, habe er in der Jagdschule zwar gelernt, aber es gebe noch viel mehr zu verstehen. Wesentliches lerne man erst nach der staatlichen Jägerprüfung.
Hauptziel der dafür nötigen Gesetzesänderung ist mehr Schutz für die Weidetierhaltung.
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In den vergangenen dreißig Jahren ist die Zahl der Jägerinnen und Jäger in Deutschland laut Deutschem Jagdverband von fast 329.000 im Jahr 1995 auf 468.000 im Jahr 2025 gestiegen. Das macht einen Zuwachs von 42 Prozent.
Damit wächst auch der Markt für Waffen, Munition und immer modernere Ausrüstung. Zur Basisausrüstung gehört eine Jagdwaffe mit Optik, ein Waffenschrank, Fernglas, Rucksack, Messer. Dazu robuste Schuhe und Bekleidung. Die Preisspanne für eine solche Erstausstattung reicht von 3.000 bis 10.000 Euro - je nach individuellen Vorlieben - wobei nach oben eigentlich keine Grenze gesetzt ist.
Und auch nach der Erstausstattung ist Jagen eine kostenintensive Freizeitbeschäftigung. Laut Frankonia, einem Versandhandelsunternehmen für Jagdwaffen, Zubehör und Bekleidung, geben Jäger pro Jahr im Durchschnitt mehr als 4.300 Euro aus.
Frankonia und andere Jagdausrüster werben mittlerweile kaum mehr in klassischen Jagdzeitschriften, sondern mit Hilfe von gesponserten Influencern im Netz. Weil einige von diesen in der Vergangenheit auch Videos zeigten, in denen nicht tierschutzgerecht getötet und die Regeln der waidgerechten Jagd verletzt wurden, gab es harsche Kritik, unter anderem vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Dessen Präsident, Jörg-Andreas Krüger, spricht im Interview mit Plusminus von "Schießbudenschießen" auf Wildtiere und "saugefährlichen" Distanzschüssen.
Krüger ist selbst Jäger. Dass immer mehr Menschen den Jagdschein machen, hält er grundsätzlich für eine positive Entwicklung - weil der Jagd beim Aufbau eines klimaresilienten Mischwaldes eine große Bedeutung zukomme. In den Jahren 2017 bis 2024 sind in Deutschland mehr als 900.000 Hektar Wald verlorengegangen, vor allem durch Stürme und Borkenkäferbefall in Fichten-Monokulturen, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt anhand von Satellitendaten ermittelt hat.
Um die Flächen wieder aufzuforsten, brauche es, so NABU-Präsident Krüger, ein effizientes "Wildtiermanagement". Die Bestände müssten reduziert werden. Denn Rehe und Rotwild fressen die jungen Triebe nachwachsender Bäume ab.