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Bei Windenergie-Akzeptanz zählt vor allem die politische Orientierung
Warum stoßen Windräder lokal auf Widerstand, obwohl erneuerbare Energien insgesamt breite Zustimmung finden? Eine repräsentative Befragung von 6.284 Menschen in Nordrhein-Westfalen zeigt, dass die politische Orientierung weit stärker mit der Zustimmung zum Ausbau im eigenen Landkreis zusammenhängt als der Wohnort. Auch Vertrauen, verständliche Informationen und als fair wahrgenommene Verfahren stehen eng mit der lokalen Akzeptanz in Zusammenhang.
Potsdam (Deutschland). Beim Ausbau der Windenergie treffen übergeordnete Klimaziele auf konkrete Veränderungen vor Ort, wobei häufig ein Gegensatz zwischen Städten und ländlichen Regionen vermutet wird. Eine neue Analyse legt jedoch nahe, dass diese räumliche Trennlinie die Einstellungen deutlich schlechter erklärt als politische Orientierung und projektbezogene Wahrnehmungen.
Die Ergebnisse beruhen auf einer Querschnittsbefragung und zeigen deshalb Zusammenhänge, keine einfachen Ursache-Wirkungs-Beziehungen. Zudem stammen die Daten aus Nordrhein-Westfalen und wurden im September 2021 erhoben, sodass sie eine bestimmte Region und einen bestimmten Zeitpunkt abbilden.
Prof. Dr. Jörg Radtke vom Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (RIFS) hat untersucht, welche sozialen Merkmale mit der lokalen Windenergie-Akzeptanz zusammenhängen. Grundlage ist eine repräsentative Onlinebefragung von 6.284 Erwachsenen in Nordrhein-Westfalen, die das Meinungsforschungsinstitut Civey im September 2021 erhoben und anschließend unter anderem nach Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Wohnort und Wahlabsicht gewichtet hat.
Für die Zustimmung zum Ausbau der Windenergie im eigenen Landkreis nutzte die Studie eine Skala von eins bis fünf. Befragte ohne AfD-Wahlabsicht kamen im Mittel auf 3,62 Punkte in ländlichen und 3,66 Punkte in städtischen Gebieten, unter Befragten mit AfD-Wahlabsicht lagen die Werte dagegen bei 1,57 beziehungsweise 1,50 Punkten. Innerhalb derselben politischen Gruppe betrug der Stadt-Land-Unterschied damit höchstens 0,05 Punkte, während die politische Differenz mehr als zwei Skalenpunkte ausmachte.
„Unsere Ergebnisse sprechen gegen die Vorstellung, dass Konflikte um Windenergie vor allem durch einen Gegensatz zwischen Stadt und Land erklärt werden können. Entscheidender ist, mit welchen politischen Orientierungen, Vertrauensbeziehungen und Vorstellungen von fairen Verfahren Menschen auf konkrete Windenergieprojekte blicken“, sagt Prof. Dr. Jörg Radtke.
Auch in gemeinsamen statistischen Modellen blieb die politische Orientierung der stärkste strukturelle Zusammenhang, während Bildung und Alter nur schwache und nicht durchgehend statistisch unterscheidbare Gradienten zeigten. Der direkte Stadt-Land-Effekt fiel klein aus und war nach Berücksichtigung weiterer Merkmale statistisch nicht von null zu unterscheiden.
Die politische Einordnung erklärt die Akzeptanz allerdings nicht allein, denn besonders eng war die Zustimmung auch mit Vertrauen in glaubwürdige Informationsquellen und Institutionen sowie mit als fair wahrgenommenen Verfahren verbunden. Dazu zählen laut Studie etwa unabhängige Wissenschaft, Planungsbehörden und transparente Standortentscheidungen, wobei sich Vertrauen und klar geregelte Fairness in ländlichen Regionen als besonders folgenreich erwiesen.
„Ein faires Verfahren lässt sich nicht auf ein einzelnes Instrument reduzieren. Wichtig sind nachvollziehbare Standortentscheidungen, frühzeitige Beteiligungsmöglichkeiten und transparent geregelte lokale Vorteile. Finanzielle Beteiligung kann ein Bestandteil sein, sollte aber in ein insgesamt glaubwürdiges Verfahren eingebettet sein“, erläutert Prof. Dr. Jörg Radtke.
Auch bei Informationswünschen gab es Überschneidungen zwischen den politischen Gruppen, denn vor dem Bau von Anlagen wollten viele Befragte ähnliche Angaben zu Lärm, Standort, Folgen für Natur und Umwelt sowie Schutzmaßnahmen erhalten. Deutlicher unterschieden sich die Gruppen dagegen beim Vertrauen in einzelne Akteure und bei den bevorzugten Wegen zur Konfliktlösu