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So entwickelt sich Deutschlands Bevölkerung bis 2045
Deutschlands Bevölkerung dürfte bis 2045 auf rund 81,8 Millionen Menschen sinken, während gut zwei Drittel der Kreise und kreisfreien Städte Einwohner verlieren. Besonders stark trifft der Rückgang Thüringen und Sachsen-Anhalt, doch einzelne Großstädte und Metropolregionen wachsen weiter. Zugleich schrumpft die Bevölkerung im Erwerbsalter und erhöht vielerorts den Anpassungsdruck auf Arbeitsmarkt, Infrastruktur und Daseinsvorsorge.
Berlin (Deutschland). Deutschlands demografisches Zwischenhoch läuft aus, weil niedrigere Geburtenzahlen und ein wachsender Sterbeüberschuss die Bevölkerungsentwicklung bremsen. Zugleich gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Rente, während deutlich kleinere Generationen nachrücken. Zuwanderung kann diese Entwicklung regional abfedern, gleicht sie aber nach den Modellannahmen nicht überall aus.
Für die fünfte Ausgabe der Studie haben Forscher des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung (BI) um Studienleiter Adrián Carrasco Heiermann alle 400 Kreise und kreisfreien Städte untersucht. Ein Index bündelt 26 Indikatoren aus Demografie, Wirtschaft, Bildung und sozialen Bedingungen und beschreibt damit die aktuelle Ausgangslage der Regionen. Ergänzend modelliert eine regionale Bevölkerungsprognose, wie sich Einwohnerzahl und Altersstruktur bis 2045 entwickeln könnten.
Bis 2045 dürfte die Einwohnerzahl Deutschlands auf rund 81,8 Millionen sinken, was gegenüber Ende 2025 einem Rückgang um etwa 1,7 Millionen Menschen entspräche. Gut zwei Drittel der Kreise und kreisfreien Städte verlieren nach der Projektion Bevölkerung. Besonders auffällig ist der Richtungswechsel in 184 Regionen, die zwischen 2014 und 2024 noch gewachsen sind und künftig schrumpfen könnten.
In Mitteldeutschland fallen die erwarteten Verluste besonders groß aus. Thüringen könnte von Ende 2024 bis 2045 rund 17,1 Prozent seiner Bevölkerung verlieren, Sachsen-Anhalt etwa 15,2 Prozent und Sachsen rund 9,1 Prozent. Gleichzeitig bleiben Leipzig und Dresden Wachstumsinseln, während die bundesweite Spanne von rund 30 Prozent Verlust in Suhl bis zu etwa 17 Prozent Wachstum im Landkreis Dahme-Spreewald reicht.
„Schrumpfung ist kein ostdeutsches Phänomen“, sagt Adrián Carrasco Heiermann.
Die Unterschiede lassen sich deshalb nicht auf einen einfachen Gegensatz zwischen Ost und West reduzieren. Zwar liegen 42 der 50 Regionen mit den stärksten erwarteten Verlusten im Osten, doch auch westdeutsche Länder und Kreise können schrumpfen. Umgekehrt dürften große Städte und ihr Umland in mehreren Teilen Deutschlands weiter Einwohner gewinnen.
„Eine Politik nach einem Muster wird dieser Entwicklung nicht gerecht“, sagt Catherina Hinz, Direktorin des BI.
Auch der Vergleich der heutigen Standortbedingungen zeigt eine stärkere regionale Spreizung als noch 2019. Zwölf der 20 Kreise und kreisfreien Städte mit den schwächsten Gesamtbewertungen liegen inzwischen im Osten, während an der Spitze vor allem bayerische Regionen stehen. Der Index ist keine Bevölkerungsprognose, sondern fasst aktuelle demografische, wirtschaftliche, soziale und bildungsbezogene Indikatoren zu einer Bewertung zusammen.
Die Zahl der Menschen im Erwerbsalter dürfte bundesweit bis 2045 um 4,7 Prozent sinken. In Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland fällt der Rückgang mit rund 12 bis 18 Prozent deutlich stärker aus. Damit wächst der Druck auf regionale Arbeitsmärkte, obwohl eine kleinere Erwerbsbevölkerung nicht automatisch im gleichen Maß weniger Beschäftigte bedeuten muss.