// TAGESSCHAU INLAND — CRONACA
Jahrestag des Hamas-Überfalls: Deutschlands schwieriger Balanceakt mit Israel
Der Hamas-Überfall löste in Deutschland eine Welle von Betroffenheit aus. Israels Vorgehen im Gazastreifen brachte Berlin dann in Erklärungsnot. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind komplizierter geworden.
Die Bilder aus den israelischen Orten an der Grenze des Gazastreifens, die Brutalität und Grausamkeit der Hamas-Terroristen gegenüber israelischen, gegenüber jüdischen Zivilisten - sie führten gerade in Deutschland, dem Land der Täter des Holocausts, zu Entsetzen, zu Betroffenheit und zu großer politischer Solidarität. Von Zäsur war in den Wochen und Monaten nach dem 7. Oktober 2023 oft die Rede und ein Bekenntnis, das Angela Merkel Jahre zuvor abgegeben hatte, bekam auf einmal große Tragweite: Israels Sicherheit ist deutsche Staatsräson.
Daran, was die damalige Bundeskanzlerin Merkel 2008 in Israels Parlament versicherte, wurde nun, im Herbst 2023, die Ampelkoalition unter Führung von Merkel-Nachfolger Olaf Scholz gemessen. Deutschland unterstützte mit Rüstungslieferungen deutscher Unternehmen für Israels Armee und versuchte, diplomatisch bei der Befreiung, der in den Gazastreifen entführten Geiseln zu helfen. Unter ihnen waren auch Deutsch-Israelis.
Hinter Anschlagsplänen hierzulande stecken mutmaßlich auch iranische Netzwerke.
mehr
Schon damals zeigten sich auch innenpolitische Auswirkungen des 7. Oktober. Der Überfall polarisierte. Aus arabisch-muslimischen Teilen der deutschen Gesellschaft heraus wurde der Terrorangriff verurteilt. Es gab aber auch offen zur Schau gestellte Freude und Hamas-Solidarität. Antisemitische Übergriffe nahmen zu.
Die deutsche Politik reagierte mit entsprechenden Verschärfungen des Strafrechts. Diese Debatte hält bis heute an. Erst in dieser Woche stellten das hessische Justizministerium und der Zentralrat der Juden in Deutschland Pläne vor, Leugnungen des Existenzrechts Israels, zum Beispiel bei pro-palästinensischen Demonstrationen, per Gesetz unter Strafe zu stellen. Viele jüdische Menschen im Land fühlen sich weiterhin unsicher.
Am Abend soll bei einer zentralen Veranstaltung in Tel Aviv der Opfer des Hamas-Überfalls gedacht werden.
mehr
Nachdem Israel als Reaktion auf den Hamas-Überfall den Gazastreifen angriff, veränderte sich die Debatte in Deutschland. Die Zahl der zivilen Todesopfer stieg, die humanitäre Katastrophe wurde immer größer und die Frage nach der Verhältnismäßigkeit immer lauter gestellt. In der deutschen Gesellschaft belegten Umfragen eine wachsende Ablehnung des israelischen Vorgehens. Das brachte die regierende Politik unter Druck, stellte die Linie der uneingeschränkten Solidarität in Frage.
CDU-Chef Friedrich Merz, der die Unterstützung Israels lange verteidigte, schloss sich kurz nach seinem Amtsantritt als Bundeskanzler den Kritikern der israelischen Taktik im Gazastreifen an. Er verstehe "offen gestanden nicht mehr, mit welchem Ziel" Israel dort vorgehe, erklärte Merz im Mai 2025. An Israels Premier Benjamin Netanjahu prallte die Kritik des deutschen Kanzlers ab. Der Druck auf die deutsche Regierung, den Umgang mit Israel zu überdenken, nahm zu und Friedrich Merz reagierte. Er verhängte einen teilweisen Lieferstopp von Rüstungsgütern für Israel. Mittlerweile ist dieses Teil-Embargo wieder aufgehoben.
Drei Jahre nach dem Hamas-Überfall auf Israel verspricht Bundeskanzler Merz dem jüdischen Staat festen Beistand.
mehr