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Ex-PlayStation-Chef Shawn Layden zum Disc-Aus: "Eine reine Tabellen-Entscheidung"
Der ehemalige Boss der Worldwide Studios rechnet nicht mit dem Gebrauchtmarkt als Hauptgrund für Sonys Strategiewechsel, sondern mit harten Zahlen.
Der ehemalige Chef der PlayStation Worldwide Studios und 32-jährige Sony-Veteran Shawn Layden bezeichnet Sonys überraschende Entscheidung, die Produktion von Spiele-Discs einzustellen, als "ziemlich dramatisch". In einem Interview mit mir nannte er es eine "Tabellen-Entscheidung". Er erklärte, warum er Gebrauchtverkäufe nicht für ausschlaggebend hält. Zudem erläuterte er, warum Sony in der Vergangenheit immer wieder mit genau diesem Thema gerungen hat.
Layden verließ Sony im Jahr 2019. Bevor ich anfange, solltet ihr wissen: Er hatte im Vorfeld keinerlei Insider-Wissen über die Ereignisse dieser Woche. "Ich hatte keine Ahnung, dass das passieren würde", erzählte mir Layden. "Ich stimme dem nicht zwingend zu, aber ich arbeite nicht mehr in der Branche. Vielleicht ist es mittlerweile einfach viel zu teuer, Discs zu pressen." Letztlich kann er also auch nur raten, genau wie wir.
Shawn Layden prägte als Chef der Sony Interactive Entertainment Worldwide Studios die überaus erfolgreiche PS4-Ära. Vor seinem Abgang 2019 verantwortete er exklusive Blockbuster wie God of War oder Spider-Man und war das sympathische Gesicht von Sonys E3-Pressekonferenzen.
Die Sache könnte aber ziemlich simpel sein. Wahrscheinlich schauen sich ein paar Leute eine Tabelle an und beschließen, dass die Zahlen schlicht nicht mehr für den Disc-Verkauf sprechen. "Wenn man sich eine Entscheidung ansieht, ein Produkt, ein Feature oder ein Modell einzustellen, ist das meistens eine reine Tabellen-Entscheidung", so Layden. "Wie verhalten sich Disc-Verkäufe im Vergleich zu digitalen Verkäufen? Ich bin alt genug, um mich an Zeiten zu erinnern, als digitale Verkäufe bei 10 Prozent lagen. Ich weiß sogar noch, als sie bei null Prozent lagen, weil wir keinen digitalen Markt hatten! Und diese Zahl ist im Laufe der Zeit einfach immer weiter gewachsen."
Besonders die Corona-Pandemie habe diesen Wandel rasant beschleunigt. Die Leute gewöhnten sich daran, Spiele online statt im Laden zu kaufen. Das trieb wiederum das Ladensterben voran, wodurch es folglich weniger Geschäfte für den Spielekauf gab. Ein echter Teufelskreis.
Wie wir glaubt auch Layden, dass Sonys Entscheidung gegen die Disc-Produktion wohl eine PS6 ohne Laufwerk bedeutet. Mit diesem Schritt liebäugelte Sony laut Layden schon während seiner Amtszeit. "Ich wurde das in den letzten 20 Jahren jedes Jahr gefragt", verriet er. "Wann gebt ihr das Laufwerk endlich auf? Mein Bauchgefühl dazu war immer: Erst dann, wenn ich wirklich sicher bin, dass die weltweite Breitbandleistung für Downloads ausreicht. Sie muss gut genug sein, um die Mehrheit der Kunden zu erreichen."
"Mehrheit bedeutet aber nicht Gesamtheit", stellte er klar. "Es gibt also einen Wendepunkt. Wenn 80 Prozent meiner Reichweite ganze 95 Prozent der Einnahmen ausmachen – welchen Anreiz habe ich dann noch, den Betrieb für die restlichen 20 Prozent aufrechtzuerhalten? Vor allem, wenn sie effektiv nur 5 Prozent des Geschäfts ausmachen? Versteht ihr, worauf ich hinauswill? Irgendwann liegt es einfach auf der Hand, dass wir nicht den ganzen Apparat für ein derart winziges Segment am Laufen halten können."
Dieser Wendepunkt ist nun wohl erreicht. Es birgt jedoch immer Gefahren, die regionale Internet-Infrastruktur irgendwo auf der Welt zu überschätzen. Sony war laut Layden früher immer "ziemlich gut" darin, dies im Blick zu behalten. "Im Gegensatz zur Xbox hatte PlayStation eine viel breitere globale Fanbase. Und zwar nicht nur bei den reinen Zahlen, sondern auch bei der Reichweite, da die Sony Corp auf der ganzen Welt präsent war."
Es gibt jedoch Menschen, die außerhalb dieser Internet-Reichweite leben. Ein Beispiel: Auf Militärstützpunkten spielten Leute PS4, die aus Sicherheitsgründen keine Internetverbindung hatten. "Der Gedanke, dass sie trotzdem ein PlayStation-4-Spiel kaufen, in die Konsole werfen und z