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Chinas Rohstoffdominanz: Warum Brüssels Milliarden-Offensive ins Stocken gerät
Trotz neuer Förderprojekte und Milliardenhilfe hinkt die EU ihren Ambitionen bei kritischen Rohstoffen hinterher. Bürokratie und Reibungen bremsen den Hochlauf.
Lithium-Salzsee in den USA: Auch die Europäer wollen bei Rohstoffen unabhängiger werden.
Zwei Jahre nach dem Inkrafttreten der Verordnung über kritische Rohstoffe droht das europäische Vorzeigeprojekt gegen die Abhängigkeit vor allem von chinesischen Mineralien im Bürokratie- und Finanzierungsdickicht zu versinken. Die Umsetzung des Critical Raw Materials Act (CRMA) hinke dem Zeitplan massiv hinterher, schreibt das Portal Politico. Nur jedes vierte Rohstoffprojekt, das im Rahmen des Gesetzes einen Sonderstatus erhielt, liege aktuell im Zeitplan.
Trotzdem hat EU-Industriechef Stéphane Séjourné am Freitag eine zweite Welle strategischer Vorhaben präsentiert, um Europas Eigenversorgung mit kritischen Metallen für Elektroautos, Windkraftanlagen, Halbleiter und Rüstungsgüter zu stärken. Die EU-Kommission hat demnach in der neuen Tranche 46 strategische Projekte in 16 Mitgliedstaaten ausgewählt. Dazu zählen Deutschland, Frankreich, Polen und Schweden. Zusammen mit den im Jahr 2025 ausgewählten Initiativen umfasst die Liste nun mehr als 100 Projekte im In- und Ausland. Die Neuzugänge decken Stufen vom Extrahieren über die Verarbeitung bis zum Recycling ab und konzentrieren sich vor allem auf Lithium, Nickel, Kobalt, Graphit und seltene Erden.
EU-Kommissionsvizepräsident Séjourné betont, Brüssel wolle das Tempo anziehen und alle Mittel nutzen, um die Produktion in Europa zu steigern. Über das Programm ResourceEU, die Europäische Investitionsbank (EIB) sowie staatliche Beihilfen seien bereits mehr als zwei Milliarden Euro an finanzieller Unterstützung mobilisiert worden.
Doch die Ankündigung stößt in der Industrie auf Skepsis. In einem Brief von 23 Projektbetreibern an die Kommission warnen betroffene Firmen laut Politico davor, dass die Benennung zusätzlicher strategischer Projekte die existierenden Probleme nur verschärfe und den Status bisheriger Vorhaben verwässere. Vertreter wie Michael Staffas, Chef des Bergbaukonzerns Boliden, äußern Zweifel am tatsächlichen Nutzen des EU-Labels: Nationale Behörden könnten die vorgesehenen beschleunigten Genehmigungsfristen von 27 Monaten weiter leicht unterlaufen.
An den ernüchternden Zahlen der ersten Projektwelle ändert der Optimismus der Kommission wenig. Laut einer Analyse des Europäischen Umweltbüros (EEB) ist mindestens jedes dritte Abbau- und Verarbeitungsprojekt aus der ersten Runde verzögert, blockiert, gefährdet oder bereits gescheitert. Viele der neuen Projekte seien zudem in Gebieten angesiedelt, „die unter Wassermangel leiden und bereits ökologisch geschädigt sind“. Die Projekte seien wegen erhöhter Entnahme, Verschmutzungen und Bauabfällen mit erhebliche Risiken für die Wasserressourcen verbunden.
Der Bergbauverband Euromines warnt derweil, dass Europa ohne eine Kehrtwende weit von seinen Zielen entfernt bleibe. Hauptursachen seien langwierige Genehmigungsverfahren, fehlendes Kapital und politischer Widerstand. So scheiterte das französische Unternehmen Viridian Lithium trotz EU-Sonderstatus an der Finanzierung. Großprojekte wie das Barroso-Lithiumbergwerk in Portugal oder das Per-Geijer-Vorkommen für seltene Erden in Schweden stoßen auf Proteste von Anwohnern.
Die Kommission verweist dagegen darauf, dass bereits für 25 Vorhaben Umweltverträglichkeitsprüfungen abgeschlossen und 17 Baugenehmigungen erteilt worden seien. Sollte alles nach Plan laufen, könnten die Zielmarken für Lithium, Kobalt und seltene Erden bis 2030 erreicht werden.
Die Zeit drängt: Der CRMA sieht vor, dass die EU bis zum Ende des Jahrzehnts mindestens zehn Prozent ihres Bedarfs an strategischen Rohstoffen selbst abbaut, 40 Prozent verarbeitet und 25 Prozent recycelt. Gleichzeitig darf die Abhängigkeit von einem einzelnen Drittland pro Verarbeitungsstufe nicht höher als 65 Prozent liegen. Angesichts von Chinas marktbeherrschender Stellung – bei