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Fettverteilung könnte Hungerhormone stärker beeinflussen als die Ernährung
Hunger im Blut: Das Hormon Ghrelin regt den Appetit an und verändert seinen Spiegel nach dem Essen. Doch wie viel davon nüchtern im Blut zirkuliert, hing in einer kleinen Studie nicht mit der kurz zuvor protokollierten Ernährung zusammen. Bei Männern zeigte sich stattdessen ein Zusammenhang mit dem Fett an Hüften und Oberschenkeln.
Białystok (Polen). Wann der Hunger zurückkehrt, hängt nicht allein davon ab, wie lange die letzte Mahlzeit zurückliegt. Auch Hormone helfen dem Körper, die Nahrungsaufnahme zu regulieren. Zu ihnen gehört Ghrelin, das überwiegend im Magen entsteht und als Signal an der Steuerung des Appetits beteiligt ist.
Typischerweise sinkt sein Blutspiegel nach dem Essen und steigt später wieder an. Weniger klar ist hingegen, ob sich die Menge des Hormons im nüchternen Zustand eher durch die jüngste Kost oder durch längerfristige Eigenschaften des Körpers erklären lässt. Dazu zählt auch, wie viel Fett ein Mensch besitzt und wo es gespeichert ist.
Forscher der Medical University of Bialystok (MUB) haben dazu 76 Männer und Frauen zwischen 40 und 60 Jahren untersucht. Sie teilten die Teilnehmer anhand des Body-Mass-Index (BMI), also einer Kennzahl aus Körpergewicht und Körpergröße, in vier Gewichtsklassen ein. Zusätzlich ermittelten sie die Verteilung des Körperfetts mit einer speziellen Röntgenmessung und werteten Ernährungstagebücher über drei Tage aus.
Vor der Testmahlzeit bestimmten die Forscher den Gesamtgehalt von Ghrelin im Nüchternblut. Danach erhielten alle Teilnehmer dasselbe flüssige Mischgetränk mit 459 Kilokalorien. Weitere Blutproben folgten nach 60, 120, 180 und 240 Minuten, sodass sich die Reaktion des Hormons unabhängig von Unterschieden bei der Mahlzeit vergleichen ließ.
Das Ergebnis: Zwischen dem nüchtern gemessenen Ghrelin und der in den Ernährungstagebüchern erfassten Energie- oder Nährstoffaufnahme fand das Team insgesamt keinen statistisch belastbaren Zusammenhang. Weder die tägliche Kalorienmenge noch die verzehrten Anteile an Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten lieferten in dieser Auswertung eine klare Erklärung für den Hormonspiegel.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Ernährung keinen Einfluss auf Ghrelin besitzt. Erfasst waren nur drei Tage und keine längerfristigen Essgewohnheiten. Zudem wurde die akute Reaktion lediglich nach einer einzigen, für alle gleich zusammengesetzten Testmahlzeit untersucht.
Beim Körperfett zeigte sich dagegen ein Zusammenhang, der vom Geschlecht abhing: Unter den Männern gingen geringere Fettanteile im Bereich von Hüften und Oberschenkeln mit höheren Ghrelinwerten im Nüchternzustand einher. Dieses sogenannte gynoide Fettgewebe steht für eine bestimmte Fettverteilung und ist nicht mit der gesamten Fettmasse gleichzusetzen.
Bei den Frauen lieferten Körpergewicht und Fettverteilung zwar einzelne statistische Hinweise. Das gemeinsame Modell war jedoch insgesamt nicht signifikant. Aus den Daten lässt sich deshalb weder eine einfache Regel für beide Geschlechter noch ein ursächlicher Einfluss der Fettverteilung auf das Hungerhormon ableiten.
Unmittelbar nach dem Testgetränk sank der Ghrelinspiegel in allen Gewichtsklassen zunächst und näherte sich in den folgenden Stunden wieder seinem Ausgangswert. Unter den Frauen deuteten sich Unterschiede zwischen den BMI-Gruppen in der frühen Reaktion nach 60 und 120 Minuten an. Für die Männer fanden die Forscher keine entsprechenden Gruppenunterschiede.