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Störung bei Kaspersky: Auffallende Nähe zu Attacken auf russische Rechenzentren
Seit dem Wochenende funktioniert Software von Kaspersky gar nicht oder nur noch eingeschränkt. Auffallend ist die zeitliche Nähe zu Ausfällen bei Yandex.
Das Kaspersky-Firmenlogo auf dem Dach der Moskauer Firmenzentrale.
Kaspersky hat eingestanden, dass Funktionen und Dienste aktuell nicht funktionieren. Man arbeite daran, „die volle Funktionsfähigkeit wiederherzustellen“, erklärte die Firma auf dem Kurznachrichtendienst X. Der „Kernschutz“ bleibe erhalten, während Betroffene von fehlenden Aktualisierungen berichten. Das Unternehmen versichert noch, „alle Nutzerdaten bleiben vollständig sicher“. Zur Ursache der seit dem Wochenende anhaltenden Störung steht in der kurzen Stellungnahme nichts, es ist aber zumindest auffällig, dass ihr Beginn zeitlich mit den ukrainischen Angriffen auf mehrere Rechenzentren in Russland zusammenfällt. Die haben zu massiven Verbindungsproblemen bei dem russischen Internetkonzern Yandex geführt. Kaspersky hatte 2020 angeblich die Datenspeicherung und -verarbeitung von Russland in die Schweiz verlegt.
Welche Software und Funktionen genau betroffen ist, schreibt das IT-Unternehmen im hauseigenen Forum. Detailliertere Berichte gibt es auf Reddit. In einem heißt es, dass die Antivirus-Software noch funktioniere, aber keine Updates mehr erhalte. In den Passwort-Manager könne man sich genauso wenig einloggen wie in den VPN-Dienst. Beides funktioniere dadurch gar nicht. Ferner gebe es keine E-Mails von Kaspersky und in ein dort angelegtes Konto komme man ebenfalls nicht mehr. In anderen Beiträgen auf Reddit gibt es ähnliche Klagen, in einem Fall wird eine Stellungnahme von Kaspersky zitiert, laut der „geplante Wartungsarbeiten“ für die Beeinträchtigung verantwortlich seien. Die Dienste sollten „sehr bald“ wieder verfügbar sein. Diese Beiträge sind aber auch schon zwei Tage alt.
Bis auf den zeitlichen Zusammenhang gibt es bislang keinerlei Hinweise darauf, dass die tagelange Störung mit den ukrainischen Angriffen auf russische Rechenzentren zusammenhängen. Die ursprünglich aus Russland stammende IT-Sicherheitsfirma hatte im November 2020 erklärt, den Umzug der Datenverarbeitungsinfrastruktur von Russland in die Schweiz abgeschlossen zu haben. Die Verlagerung betraf laut Kaspersky die Bedrohungsdaten aus Europa, Nordamerika und einer Reihe von Ländern im asiatisch-pazifischen Raum. Ob russische Infrastruktur trotzdem auch danach noch benötigt wurde, ist unklar. Durch die enge Vernetzung von IT-Infrastruktur könnten Ausfälle in russischen Rechenzentren auch Folgen für Systeme außerhalb des Landes haben. Welch weitreichende Folgen solche Störungen haben können, hat sich vor einem Jahr gezeigt, als Probleme bei AWS von Amazon weltweite Ausfälle unterschiedlichster Dienste zur Folge hatten.
Wir haben Kaspersky um eine Stellungnahme gebeten, insbesondere zu dem vermuteten Zusammenhang zwischen der Störung und den Rechenzentrumsausfällen bei Yandex. Wir werden diese Meldung ergänzen, sobald der Hersteller uns antwortet.
Kaspersky stammt aus Russland, hat seine Holdinggesellschaft aber in London registriert. Bekannt ist es vor allem für seine Antivirus-Software. Zwei Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat die US-Regierung 2024 ein weitreichendes Vertriebsverbot für Kaspersky-Produkte verhängt, schon seit dem 15. März 2022 warnt das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor dem Einsatz der Virenschutzsoftware. Dagegen kämpft das Unternehmen seitdem erfolglos gerichtlich, zuletzt hatte sich Kaspersky sogar an den Bundestag gewandt – auch hier ohne Erfolg. Anfang 2025 wurde in Australien die Installation von Kaspersky-Produkten auf Regierungsrechnern untersagt.
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