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Die einst größte Pinguinkolonie hat fast zwei Drittel der Brutpaare verloren
Auf der abgelegenen Vulkaninsel Zavodovski gibt es deutlich weniger brütende Zügelpinguine als noch vor 14 Jahren. Eine Auswertung von Luft- und Satellitenbildern ergab 63 Prozent weniger besetzte Nester als 2011. Während die frühere Rekordkolonie ihren Spitzenplatz verliert, haben die dort ebenfalls brütenden Goldschopfpinguine zugenommen.
Cambridge (England). Auf Zavodovski in den Südlichen Sandwichinseln nisten Pinguine dicht gedrängt auf den Hängen eines aktiven Vulkans. Die entlegene Insel galt lange als Standort der größten Pinguinkolonie der Welt. Wegen der gefährlichen Anlandung und des rauen Wetters konnten Wissenschaftler die Bestände allerdings nur in großen Abständen untersuchen.
Auf anderen Inseln der Antarktisregion waren die Zahlen der Zügelpinguine bereits rückläufig, während Zavodovski zunächst als Ausnahme galt. Nun zeigt sich, dass auch der zuvor außergewöhnlich große Brutbestand stark geschrumpft ist. Die größte bekannte Kolonie befindet sich inzwischen bei Kap Adare am Rossmeer, wo Adeliepinguine brüten.
Forscher des British Antarctic Survey (BAS) um Prof. Norman Ratcliffe haben den Wandel der beiden Pinguinarten auf Zavodovski untersucht. Dafür kombinierten sie neue Aufnahmen der Insel mit älteren Satellitenbildern und Daten zur Nahrungssuche. Sie wollten klären, wie sich die Bestände verändert haben und welche Umweltfaktoren den gegensätzlichen Trend erklären könnten.
Das Team hat im Dezember 2023 mit Drohnen große Teile der Brutgebiete fotografiert und die Anzahl der Nester anhand der Bilder abgeschätzt. Die so ermittelte Nestdichte wurde mit den Flächen der Kolonien auf Satellitenaufnahmen aus verschiedenen Jahren kombiniert. Auf diese Weise ließ sich die Entwicklung von 2011 bis 2025 rekonstruieren.
Das Ergebnis ist deutlich. Die Zahl der besetzten Zügelpinguin-Nester lag 2025 um 63 Prozent niedriger als 2011. Da besetzte Nester für brütende Paare stehen, belegt der Befund einen massiven Rückgang der Brutpopulation. Nach Angaben der Forscher fehlen auf der Insel inzwischen mehr als eine halbe Million Zügelpinguine.
Der Rückgang verlief über einen längeren Zeitraum und nicht als abrupter Einbruch nach einem einzelnen Ereignis. Deshalb halten die Autoren den Vulkanausbruch von 2016, bei dem Teile der Insel mit Asche bedeckt wurden, nicht für die hauptsächliche Ursache. Die Beobachtungen sprechen eher für Veränderungen im Meer vor der Insel.
Zügelpinguine ernähren sich vor allem von Antarktischem Krill, kleinen krebsartigen Tieren, die im Südpolarmeer große Schwärme bilden. Mit Ortungssendern hat das Team verfolgt, wohin die Vögel während der Brutzeit zur Nahrungssuche schwammen. Die Zügelpinguine nutzten überwiegend kühlere Gewässer nordwestlich von Zavodovski.
Nach Einschätzung der Forscher könnte die regionale Erwärmung dazu beigetragen haben, dass Krill in südlichere, kältere Meeresgebiete ausweicht. Die Zügelpinguine können dieser möglichen Verschiebung nicht beliebig folgen, weil Meereis und fehlende geeignete Brutinseln ihre Ausbreitung begrenzen. Der vermutete Nahrungsmangel ist damit eine plausible Erklärung, aber keine unmittelbar nachgewiesene Ursache jedes einzelnen Bestandsverlustes.
Die Studie prüft auch andere Möglichkeiten. Konkurrenz um Nistplätze und der Krillfang unmittelbar um die Insel erscheinen als Hauptgründe weniger plausibel, weil noch Brutflächen vorhanden sind und das umliegende Meeresschutzgebiet die Krillfischerei ausschließt. Ob Fischerei in benachbarten, durch Meeresströmungen verbundenen Regionen die Beuteverfügbarkeit beeinflusst, bleibt allerdings offen.