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Wieso hat ein Wissenschaftler für November 2026 den Weltuntergang prognostiziert?
Freitag, der 13. November 2026, sollte ein Schicksalstag für die Menschheit werden: Nach einer Formel aus dem Jahr 1960 würde die Weltbevölkerung dann ins Unendliche wachsen. Doch die Rechnung beruhte auf der Fortschreibung eines längst überholten Trends. Tatsächliche Bevölkerungsdaten und heutige UN-Projektionen zeigen, weshalb das dramatische Datum keine reale Katastrophe ankündigt.
Urbana (U.S.A.). Die Menschheit wächst seit Jahrtausenden, aber ihr Wachstum verlief lange nicht gleichmäßig. Vor allem im 19. und 20. Jahrhundert stieg die Zahl der Menschen so rasant, dass Fachleute vor Hunger, Ressourcenknappheit und einer Bevölkerungsexplosion warnten. Ob sich diese Dynamik immer weiter beschleunigen würde, war jedoch unklar.
Im Jahr 1960 machte eine Forschergruppe aus dieser Ungewissheit ein spektakuläres Datum. Ihre mathematische Studie besagte, dass die Weltbevölkerung unter einer bestimmten Annahme am Freitag, dem 13. November 2026, gegen unendlich streben würde. Eine reale Katastrophe ließ sich damit allerdings nicht vorhersagen.
Für die Modellrechnung haben der Kybernetiker Heinz von Foerster und seine Kollegen von der University of Illinois Urbana-Champaign 24 historische Schätzungen der Weltbevölkerung aus rund zwei Jahrtausenden bis 1958 ausgewertet. Sie untersuchten, ob Menschen anders wachsen als viele andere biologische Populationen, deren Zunahme sich bei knappen Ressourcen gewöhnlich verlangsamt.
Der Gedanke hinter der Rechnung war ungewöhnlich: Menschen können ihre Lebensbedingungen durch Kommunikation und Zusammenarbeit verbessern. Mit wachsender Bevölkerung könnten solche Bündnisse wirkungsvoller werden und den Umgang mit Umweltgefahren erleichtern. Das Modell nahm deshalb an, dass die Bevölkerung nicht nur weiterwächst, sondern ihr Wachstum sich immer stärker beschleunigt.
Die historischen Bevölkerungszahlen ließen sich mit dieser Funktion recht gut beschreiben. Die quadratische mittlere Abweichung betrug nach Angaben der Autoren rund sieben Prozent. Für den Punkt, an dem die Kurve mathematisch gegen unendlich strebt, ermittelten sie das Jahr 2026,87 mit einer rechnerischen Unsicherheit von etwa 5,5 Jahren. Das exakte Datum im Studientitel war damit weit präziser, als die Rechnung rechtfertigte.
Doch eine Kurve, die historische Daten gut trifft, muss die Zukunft nicht richtig beschreiben. Das Ergebnis gilt nur, solange sich die wesentlichen Bedingungen des Bevölkerungswachstums nicht ändern. Genau diese Voraussetzung hat sich als falsch erwiesen.
Seit den 1990er-Jahren entfernte sich die tatsächliche Bevölkerungsentwicklung zunehmend von der damaligen Prognose. Obwohl die Zahl der Menschen weiter zunimmt, hat sich das Weltbevölkerungswachstum deutlich verlangsamt. Ausschlaggebend ist vor allem der Rückgang der Geburtenraten in vielen Teilen der Welt.
Nach Projektionen der Vereinten Nationen (UN) dürfte die Weltbevölkerung von etwa 8,2 Milliarden Menschen im Jahr 2024 bis Mitte der 2080er-Jahre auf rund 10,3 Milliarden steigen. Danach könnte sie bis 2100 leicht auf etwa 10,2 Milliarden sinken. Auch diese Projektionen sind mit Unsicherheiten verbunden, weisen aber gerade keine ungebremste Beschleunigung aus.
Ein wesentlicher Grund ist die sinkende Kinderzahl pro Frau. Weltweit ging sie von durchschnittlich 3,31 im Jahr 1990 auf etwa 2,25 im Jahr 2024 zurück. Auch Veränderungen der Lebenserwartung und der Altersstruktur prägen die künftige Bevölkerungsentwicklung. Das alte Modell konnte diese Veränderungen nicht vorwegnehmen.