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Krokodil-Verwandter aus der Jurazeit mit ungewöhnlichem Gebiss entdeckt
Ein Krokodil-Verwandter aus dem mittleren Jura besaß ein Gebiss, wie es bei keiner bisher bekannten verwandten Art dokumentiert ist. Fossilien aus Marokko zeigen zahlreiche extrem dünne und dicht stehende Zähne. Sie deuten darauf hin, dass Ctenosuchus tenuidens vor rund 167 Millionen Jahren vor allem kleine Fische, Krebstiere und andere weiche Wasserbewohner erbeutete.
Portsmouth (England). Die Verwandten heutiger Krokodile waren zur Zeit der Dinosaurier deutlich vielfältiger als ihre heutigen Nachfahren. Einige dieser Reptilien lebten in Flüssen oder Seen, andere besiedelten als ans Wasser angepasste Krokodil-Verwandte sogar die Meere. Besonders gut sind ihre Fossilien aus Europa bekannt. Über ihre Lebensweise auf dem damaligen Südkontinent Gondwana ist dagegen noch vieles unklar.
Nun erweitert ein Fund aus dem Osten Marokkos dieses Bild. Forscher der University of Portsmouth um den Erstautor Hamzah Imran haben zwei Fossilblöcke aus der Region Talsint-Anoual untersucht. Die darin erhaltenen Teile von Schnauze, Kiefer und Zähnen gehören zu einer bislang unbekannten Gattung und Art. Das Team gab ihr den Namen Ctenosuchus tenuidens.
Schon beim vorsichtigen Freilegen der Knochen fielen ungewöhnliche Strukturen auf. Unter dem Mikroskop erwiesen sich kleine dunkle Punkte als Querschnitte extrem feiner Zähne. Die Wissenschaftler untersuchten zudem einen herausgelösten Zahn mit dem Rasterelektronenmikroskop und fertigten Dünnschliffe an, um seine Oberflächenstruktur zu bestimmen.
„Wir bemerkten kleine schwarze Kreise auf beiden Seiten des langen Knochens in der Mitte eines der Fossilien. Deshalb legten wir es unter das Mikroskop. Wir kratzten mit einem Skalpell vorsichtig um einen der schwarzen Kreise herum. Je mehr wir davon freilegten, desto länger wurde er. Da erkannten wir, dass diese kleinen schwarzen Kreise in Wirklichkeit unglaublich dünne Zähne waren. Diese kammartigen Zähne inspirierten den Namen Ctenosuchus tenuidens. Cteno bedeutet Kamm, suchus bedeutet Krokodil und tenuidens bedeutet dünne Zähne“, erklärt Hamzah Imran.
Die Zähne waren etwa zehnmal so hoch wie breit und standen im Mittel nur 2,3 Millimeter auseinander. Für eine Seite der Schnauze schätzen die Forscher mehr als 40 Zähne. Auffällig sind auch längs verlaufende Rippen auf den Zahnkronen, die auf ihrer Innenseite besonders deutlich ausgeprägt sind. Diese Merkmalskombination unterscheidet die neue Art von allen bislang beschriebenen Krokodil-Verwandten.
Aus dem zarten Gebiss leitet das Team eine ungewöhnliche Ernährung ab. Während viele Krokodil-Verwandte mit kräftigen Zähnen größere Beutetiere packten, dürfte Ctenosuchus eher kleine Fische, Krebstiere und weichkörperige Wirbellose erbeutet haben. Die eng stehenden Zähne könnten dabei wie eine Falle gewirkt und kleine Tiere im Maul zurückgehalten haben.
„Die Zähne sind so fein, dass wir nicht glauben, dass das Tier gewöhnliche Beute fing. Wenn es einen großen Fisch erwischt hätte und dieser sich gewunden hätte, wären die empfindlichen Zähne zerbrochen. Wir vermuten, dass es wahrscheinlich weiche Beute wie Garnelen, Würmer und winzige Fische fraß, also nichts, was seine Zähne beschädigen konnte. Diese Ernährungsweise unterscheidet die Art stark von anderen langschnäuzigen Krokodilen. Deshalb ist die Entdeckung wirklich aufregend“, sagt Hamzah Imran.
Ein Vergleich mit ausgestorbenen Meeressauriern und fein bezahnten Flugsauriern zeigt ähnliche Gebissformen bei nicht näher verwandten Reptilien. Denkbar ist sogar, dass der Jura-Bewohner Nahrung aus dem Wasser siebte. Diese Filtertechnik bleibt jedoch eine Hypothese, weil wesentliche Teile des Schädels fehlen und sich die konkrete Beutefangtechnik nicht direkt beobachten lässt.
Die Fossilien stammen aus Ablagerungen, die einst in einer Fluss- und Seenlandschaft entstanden. Ctenosuchus ist damit der erste eindeutig einer Art zugeordnete Süßwasservertreter seiner engeren Gruppe aus dem ehemaligen Gondwana. Der Fund zeigt, dass diese Krokodil-Verwandten nicht n