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Mini-Satellit VERTECS startet Messungen des kosmischen Restlichts
Ein ungewöhnlich kleiner Satellit soll jenes schwache Licht untersuchen, das aus dem gesamten Universum zu uns gelangt. VERTECS hat seine Funktionstests im Erdorbit bestanden und bereits erste Sternfelder und Nebel fotografiert. Damit ist der Weg frei für die geplante Beobachtungsphase, die neue Hinweise auf die Geschichte der Sternen- und Galaxienbildung liefern soll.
Kitakyushu (Japan). Selbst scheinbar dunkle Stellen am Nachthimmel enthalten ein schwaches Leuchten aus den Tiefen des Alls. Dieses optische Hintergrundlicht setzt sich aus unzähligen Lichtquellen zusammen, darunter auch Galaxien, die einzeln zu lichtschwach für eine direkte Beobachtung sind. Aus seiner Helligkeit und Farbverteilung erhoffen sich Astronomen Hinweise auf die Entwicklung des Kosmos.
Das Signal ist schwer zu isolieren, weil Licht aus der Milchstraße und an Staub im Sonnensystem gestreutes Sonnenlicht die Messungen überlagern. Hinzu kommen bei bodengebundenen Beobachtungen Störungen durch die Erdatmosphäre. Wie stark solche Vordergrundsignale die Ergebnisse beeinflussen, zeigten auch Messungen mit der Raumsonde New Horizons.
Forscher des Kyushu Institute of Technology (Kyutech) um Kei Sano haben deshalb gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlern den Kleinsatelliten VERTECS entwickelt. Das Weltraumteleskop wurde am 12. Juni 2026 vom japanischen Weltraumbahnhof Tanegashima mit einer H3-Rakete gestartet. Nach dem erfolgreichen Funkkontakt im Orbit folgten mehrere Wochen technischer Erprobung.
Die Forscher haben zunächst die Stromversorgung, die Kommunikation, die Lagekontrolle, die Datenverarbeitung und die Beobachtungsinstrumente einzeln geprüft. Anschließend richteten sie den Satelliten auf ausgewählte Himmelsregionen, nahmen Bilder auf und übertrugen die Daten zur Erde. Nach Angaben der beteiligten Einrichtungen erfüllten sowohl die Satellitensysteme als auch die Kamera dabei die vorgesehenen Leistungsanforderungen.
Zu den ersten Zielen gehörten der Cygnus-Schleier, der Lagunennebel und der Nordamerikanebel. Die Aufnahmen zeigen Sterne sowie ausgedehnte Gasstrukturen und bestätigen zugleich, dass der Satellit präzise auf ein Ziel ausgerichtet bleiben kann. Teilweise genügten dafür Belichtungen von rund einer Minute.
Ob die Optik auch im Weltraum wie geplant arbeitet, war vor dem Empfang der Bilder noch nicht abschließend bestätigt. Die beteiligten Instrumentenentwickler hatten diesen Moment deshalb besonders aufmerksam erwartet.
„Deshalb war die Freude besonders groß, als die scharfen Bilder eintrafen“, erklärt Koji Takimoto von der University of Tokyo (UTokyo).
Für die eigentliche Forschungsaufgabe ist das weite Blickfeld der Kamera entscheidend. VERTECS erfasst pro Farbkanal einen Himmelsausschnitt von drei mal drei Grad, also ungefähr die Fläche von 40 Vollmonden. Anders als ein großes Teleskop, das winzige Details einzelner Himmelsobjekte auflöst, soll der Satellit ausgedehnte und lichtschwache Bereiche vermessen.
Ein solches Testfeld liegt im Sternbild Bärenhüter. Die dort aufgenommenen Bilder zeigen eine Region ohne auffällige helle Objekte. Ihre Auswertung bestätigte nach Angaben des Teams, dass die Kamera die benötigte Auflösung und Empfindlichkeit erreicht. Während der kommenden Beobachtungen sollen aus vielen solchen Himmelsfeldern großräumige Karten entstehen.