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Erhöhen hochverarbeitete Lebensmittel das Darmkrebsrisiko?
Fertigessen, Frühstücksflocken und Industriebrot zählen teils zur selben Gruppe hochverarbeiteter Lebensmittel. Für Darmkrebs scheint diese Sammelkategorie jedoch wenig aussagekräftig zu sein. Eine Langzeitstudie mit 461.682 US-Amerikanern fand keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der insgesamt verzehrten Menge und neuen Darmkrebsfällen. Bei Vollkorn- und Milchprodukten sowie Fleisch zeigten sich dagegen gegensätzliche Zusammenhänge.
Brisbane (Australien). Hochverarbeitete Lebensmittel stehen im Verdacht, verschiedene Krankheiten zu begünstigen. Doch die Produktpalette reicht von zuckerreichen Fertiggerichten über verarbeitete Fleischwaren bis zu ballaststoffreichem Brot und Frühstücksflocken. Ihre Zusammensetzung unterscheidet sich deshalb deutlich, obwohl sie nach der Nova-Klassifikation zur gleichen Verarbeitungsgruppe gehören.
Frühere Studien über hochverarbeitete Lebensmittel und Krebs lieferten Hinweise auf gesundheitliche Risiken, beim Darmkrebs aber kein einheitliches Bild. Bekannt ist zudem, dass reichlich Vollkorn und Ballaststoffe mit einem niedrigeren Darmkrebsrisiko einhergehen, während verarbeitetes Fleisch das Risiko erhöht. Unklar blieb, wie stark die industrielle Verarbeitung selbst dabei ins Gewicht fällt.
Forscher des QIMR Berghofer Medical Research Institute (QIMR Berghofer) um Dr. Erikka Loftfield haben diesen Zusammenhang nun anhand der NIH-AARP Diet and Health Study untersucht. Dazu werteten sie Angaben von 461.682 US-Amerikanern aus, die zu Beginn der Untersuchung 1995 und 1996 zwischen 50 und 71 Jahre alt waren. Die Teilnehmer hatten ihre Ernährungsgewohnheiten damals in einem umfangreichen Fragebogen beschrieben.
Aus diesen Angaben schätzte das Team den Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel nach der Nova-Klassifikation. Anschließend wurden die Krebsdiagnosen bis Ende 2018 erfasst. Während der im Median 18,8-jährigen Beobachtungszeit erkrankten 10.075 Teilnehmer neu an Dick- oder Enddarmkrebs. Die statistischen Modelle berücksichtigten unter anderem Alter, Geschlecht, Rauchen, Bewegung und Alkoholkonsum.
Im Median der Studiengruppe stammten rund 43 Prozent der täglich aufgenommenen Kalorien aus hochverarbeiteten Lebensmitteln. Trotzdem ergab sich kein statistisch eindeutiger Zusammenhang zwischen der gesamten Verzehrmenge und der Häufigkeit von Darmkrebs. Im obersten Verzehrfünftel lag das Verhältnis der Erkrankungsraten gegenüber dem untersten bei 0,97, mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,91 bis 1,03.
Auch bei getrennten Auswertungen für verschiedene Abschnitte von Dick- und Enddarm fanden sich keine klaren, durchgängigen Zusammenhänge. Eine zusätzliche Berücksichtigung der allgemeinen Ernährungsqualität sowie des Körpergewichts änderte am Hauptergebnis wenig. Allerdings bedeutet ein nicht nachweisbarer statistischer Zusammenhang nicht, dass hochverarbeitete Produkte grundsätzlich unbedenklich wären.
Deutlicher waren die Unterschiede zwischen einzelnen Lebensmittelgruppen. Ein höherer Verzehr von Vollkorn, Ballaststoffen, Milchprodukten und Kalzium aus hochverarbeiteten Quellen ging mit einer niedrigeren Darmkrebshäufigkeit einher. Bei Fleisch aus solchen Quellen zeigte sich dagegen ein positiver Zusammenhang. Besonders bei industriell zusammengesetzten Fleisch- und Fischprodukten lag die Erkrankungsrate im obersten Verzehrfünftel um rund zehn Prozent höher als im untersten.
Die Einordnung ist nicht immer intuitiv. In der untersuchten Ernährung stammten nach den Schätzungen 82,8 Prozent der aufgenommenen Vollkornmenge aus hochverarbeiteten Produkten. Auch Ballaststoffe und Kalzium wurden teilweise über solche Lebensmittel verzehrt. Zugleich kam ein großer Teil des verarbeiteten Fleisches aus derselben Nova-Gruppe. Der pauschale Anteil hochverarbeiteter Lebensmittel verdeckt damit sehr unterschiedliche Nahrungsbestandteile.
„In dieser großen Gruppe älterer US-Amerikaner beobachteten wir keinen Zusammenhang zwischen der insgesamt verzehrten Menge hochverarbeiteter Lebensmittel un