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Wie gut sagen Intelligenztests die Arbeitsleistung voraus?
Wie gut jemand in einem Intelligenztest abschneidet, galt lange als besonders aussagekräftig für seine spätere Leistung im Beruf. Eine neue Metaanalyse mit Daten von gut 109.000 Beschäftigten zeichnet ein anderes Bild. Demnach liegt die durchschnittliche Korrelation nur bei etwa 0,20 statt der früher angenommenen 0,51. Für die Personalauswahl bleibt das dennoch relevant.
Minneapolis (U.S.A.). Standardisierte Intelligenztests erfassen allgemeine geistige Fähigkeiten wie Schlussfolgern, Lernen und das Lösen unbekannter Probleme. Bei der Personalauswahl dienen sie häufig dazu, einzuschätzen, wie gut Bewerber später ihre beruflichen Aufgaben erfüllen. Über Jahrzehnte galt der statistische Zusammenhang mit der Arbeitsleistung als besonders ausgeprägt. Allerdings stützte sich diese Einschätzung überwiegend auf Untersuchungen aus der Zeit vor den 1980er Jahren.
Forscher der University of Minnesota (UMN) um Saron Demeke haben nun drei neuere Metaanalysen erneut ausgewertet und zu einer gemeinsamen Datengrundlage zusammengeführt. Dabei entfernten sie mehrfach erfasste Stichproben, damit dieselben Beschäftigten nicht mehrmals in die Gesamtbewertung eingingen. Die 212 unabhängigen Stichproben umfassen 109.396 Menschen aus Untersuchungen mit Daten aus den Jahren 1990 bis 2022.
In den meisten zugrunde liegenden Studien wurde die Arbeitsleistung durch Vorgesetzte bewertet, teilweise kamen objektive Leistungskennzahlen hinzu. Das Team berechnete den Zusammenhang zwischen Testergebnis und Arbeitsleistung mit mehreren statistischen Korrekturverfahren. Diese berücksichtigen unter anderem, dass bereits eingestellte Beschäftigte oft geringere Unterschiede bei ihren Testergebnissen aufweisen als die ursprüngliche Gruppe der Bewerber.
Ältere Übersichtsarbeiten hatten einen um statistische Verzerrungen bereinigten Korrelationswert von etwa 0,51 ergeben. Eine spätere Neuberechnung dieser historischen Daten senkte den Wert bereits auf rund 0,31. In der aktuellen Auswertung liegt er je nach Korrekturverfahren und Gewichtung nur noch zwischen 0,18 und 0,22. Die Autoren schlagen 0,20 als zeitgemäßen Richtwert für den durchschnittlichen Zusammenhang vor.
Eine Korrelation von 0,20 zeigt einen positiven, aber begrenzten statistischen Zusammenhang an. Sie bedeutet nicht, dass sich die individuelle Arbeitsleistung mit einer Genauigkeit von 20 Prozent vorhersagen ließe. Zudem beweist der Vergleich mit älteren Untersuchungen nicht, dass Intelligenz für die Arbeitsleistung heute tatsächlich weniger wichtig geworden ist. Die verfügbaren Datengrundlagen und ihre statistische Behandlung unterscheiden sich.
Die Forscher untersuchten außerdem, ob die Art der beruflichen Tätigkeit die Aussagekraft von Intelligenztests beeinflusst. Für 137 Stichproben lagen dafür passende Berufsmerkmale vor. Sie unterschieden zwischen Anforderungen an das Verarbeiten von Informationen, an die Zusammenarbeit mit Menschen und an praktische oder technische Tätigkeiten, etwa die Bedienung und Wartung von Geräten.
Anders als lange angenommen, ging ein höheres Maß an geistiger Komplexität allein kaum mit einer zuverlässigeren Leistungsprognose einher. Dagegen war der Zusammenhang zwischen Testergebnissen und Arbeitsleistung bei stärker technisch oder praktisch geprägten Tätigkeiten tendenziell ausgeprägter. Besonders deutlich schien dies bei Berufen zu sein, die anspruchsvolle Informationsverarbeitung mit dem Umgang mit Geräten oder technischen Abläufen verbinden.
Diese zusätzliche Wechselwirkung war statistisch jedoch nur schwach abgesichert. Hinzu kommt, dass die analysierten Berufe vor allem Verwaltung, Management und Verkauf umfassten. Tätigkeiten in Produktion, Wartung und Reparatur waren seltener vertreten. Das Muster muss daher noch anhand weiterer Berufsgruppen überprüft werden.
Als mögliche Erklärung für die niedrigeren Werte diskutieren die Autoren, dass Zusammenarbeit, Kommunikation und Anpassungsfähigkeit im Arbeitsalltag heute stärker in die Leistungsbewertung einfließe