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Beeinflusst die Angabe zum Zuckerzusatz das Kaufverhalten?
Was auf dem Etikett steht, beeinflusst offenbar, was im Einkaufswagen landet: Seit US-Hersteller zugesetzten Zucker gesondert ausweisen, sinkt die Nachfrage nach zuckerreichen Joghurts und Keksen. Eine Analyse von Kassendaten und Modellrechnungen legt nahe, dass sich dadurch auch die gekaufte Zuckermenge verringert. Wie groß der Effekt ausfällt, hängt jedoch von der Produktgruppe ab.
University Park (U.S.A.). Wie viel Zucker in einem Lebensmittel steckt, lässt sich oft auf der Packung nachlesen. Doch das verrät noch nicht, ob er von Natur aus enthalten ist oder bei der Herstellung zugesetzt wurde. Gerade bei Joghurt treffen Milchzucker und zugesetzte Süße häufig zusammen.
In den USA müssen Lebensmittelhersteller den Zuckerzusatz seit einer Reform der Nährwertkennzeichnung gesondert vom Gesamtzucker ausweisen. Große Unternehmen hatten dafür bis Anfang 2020 Zeit, kleinere bis Anfang 2021. Die neue Angabe erscheint in Gramm und als Anteil eines Tagesrichtwerts. Dabei ist der zugesetzte Zucker bereits im Gesamtzucker enthalten und wird nicht zusätzlich hinzugerechnet.
Forscher der Pennsylvania State University (Penn State) um Yuxiang Zhang haben nun untersucht, ob sich diese zusätzliche Information auch im Einkaufsverhalten niederschlägt. Dafür analysierten sie Verkaufsdaten von Joghurt und Keksen aus US-Geschäften zwischen 2015 und 2020. Anders als Befragungen zeigen die Kassendaten, welche Produkte tatsächlich verkauft wurden.
Die Daten umfassten 3.528 regionale Monatsmärkte mit 312 Joghurtprodukten von sieben Marken und 430 Keksprodukten von 15 Marken. Die berücksichtigten Marken standen für rund 70 bis 80 Prozent der jeweiligen Verkäufe. Das Team untersuchte die Nachfrage vor und nach der Kennzeichnungsänderung mit einem ökonomischen Modell, das auch Preise und weitere Produkteigenschaften berücksichtigt.
Die Auswertung deutet darauf hin, dass Käufer nach der Reform Produkte mit höherem Anteil an zugesetztem Zucker in beiden Kategorien weniger nachfragten. Zugleich veränderte sich offenbar ihre Bewertung des gesamten Zuckergehalts. Denn dank der neuen Angabe lässt sich unterscheiden, ob Zucker etwa aus Milch und Früchten stammt oder einem Produkt zugesetzt wurde.
„Wenn Menschen klarere Informationen über zugesetzten Zucker erhalten, kann das ihre Kaufentscheidungen verändern und der Politik gezieltere Möglichkeiten eröffnen. Weil zugesetzter Zucker nun eindeutig gekennzeichnet ist, können sich politische Maßnahmen stärker auf diesen Zucker richten, statt alle Zuckerarten gleich zu behandeln“, sagt Yizao Liu von der Pennsylvania State University.
Wie groß der Unterschied sein könnte, berechneten die Forscher anhand eines Vergleichsszenarios ohne geänderte Nährwertkennzeichnung. Demnach wäre die gesamte in den verkauften Produkten enthaltene Zuckermenge ohne die Reform bei Joghurt um 4,43 Prozent und bei Keksen um 11,41 Prozent höher ausgefallen. Betrachtet man nur zugesetzten Zucker, ergeben sich ähnliche Werte von 4,15 beziehungsweise 11,16 Prozent.
Auch die Verkaufsmenge insgesamt wäre im Modell ohne neue Kennzeichnung höher gewesen, bei Joghurt um knapp drei Prozent und bei Keksen um rund 9,5 Prozent. Das sind jedoch rechnerische Unterschiede zwischen Modellszenarien und keine unmittelbar gemessenen Rückgänge des tatsächlichen Zuckerverzehrs. Aus Kassendaten geht zudem nicht hervor, wie viel von den gekauften Lebensmitteln später gegessen wurde.
Die Forscher spielten außerdem zwei mögliche Steuern durch. Im ersten Szenario wurden alle Produkte mit Zucker um fünf Prozent verteuert, im zweiten nur Produkte mit zugesetztem Zucker. Beide Varianten führten im Modell zu einer ähnlich starken Verringerung des verkauften zugesetzten Zuckers. Doch bei der gezielten Abgabe blieb die Nachfrage nach Joghurt ohne Zuckerzusatz nahezu unverändert, während die pauschale Steuer auch diese Produkte traf.