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Osteuropa-Experte über Ukraine-Gespräche: "Keine großen Hoffnungen"
Russland hat sich bereit gezeigt, die Gespräche mit den USA und der Ukraine wieder aufzunehmen. Aber sind Fortschritte wahrscheinlich? Osteuropa-Experte Umland zeigt sich im tagesschau24-Interview skeptisch.
tagesschau24: Es gibt die Meldung, der Kreml sei bereit, ab Mitte November wieder zu verhandeln - mit den USA und der Ukraine. Was ist davon zu halten?
Andreas Umland: Zurzeit nicht viel, denn dieses Verhandlungstheater gibt es ja schon viele Jahre, im Grunde schon seit 2014. Und da geht es immer darum, was Russland im Austausch für einen Waffenstillstand und für Frieden bekommen kann. Also wie viel ukrainisches Territorium abgegeben wird, wie viel ukrainische Souveränität abgegeben wird. Insofern habe ich da bisher keine großen Hoffnungen.
Was ich mir allerdings vorstellen könnte, ist, dass vielleicht der innere Druck in Russland durch die ukrainische Langstreckenangriffe steigt, und dass es dann vielleicht tatsächlich eine Fraktion in Moskau geben wird, die sich in Richtung eines Waffenstillstands orientieren wird. Vielleicht wird sich das ändern, wenn sich die ökonomischen Probleme, die Russland derzeit schon hat, verstärken.
Dann machen solche Verhandlungen einen Sinn. Aber zurzeit kann man da nur mit weiterem Verhandlungstheater rechnen.
Nach einem Treffen mit dem US-Sondergesandten erklärt sich Russlands Präsident offenbar zu Gesprächen mit USA und Ukraine bereit.
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tagesschau24: Außerdem sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei Fox News, man sei bereit, die Frontlinie einzufrieren. Ist das etwas, was den Kreml ködern könnte?
Umland: Ich fürchte nicht. Denn diese Position der Ukraine gibt es schon seit circa anderthalb Jahren. Das hat Selenskyj schon im Frühjahr 2025 explizit vorgeschlagen und seitdem mehrere Male. Er hat auch teilweise Waffenstillstände vorgeschlagen, zum Beispiel ein Einstellen der Langstreckenangriffe auf die Energieinfrastruktur oder eine Art Waffenstillstand im Schwarzen Meer.
All diese Vorschläge hat Russland abgelehnt, denn Russland möchte im Gegenzug für einen Waffenstillstand Gebiet haben. So ist das ja immer. Schon der Militärtheoretiker Carl von Clausewitz sagte vor knapp 200 Jahren: Der Eroberer will keinen Krieg, der Eroberer will nur friedlich in das Nachbarland einmarschieren und die Gebiete übernehmen. Der Eroberer will immer Frieden. Und so ist das bei Putin jetzt auch.
tagesschau24: Droht die Ukraine momentan zwischen den USA und Russland zermahlen zu werden - zumal der Wind aus den USA eher wieder pro Russland weht?