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Unternehmern leben länger als Angestellte
Selbstständig arbeiten, länger leben? Eine Langzeitstudie mit mehr als 27.000 Menschen aus den USA liefert Hinweise auf ein geringeres Sterberisiko von Unternehmern gegenüber Angestellten. Allerdings zeigt sich dieser Zusammenhang vor allem bei Menschen, die aus eigenem Antrieb ein Unternehmen gründen. Ob die Selbstständigkeit selbst das Leben verlängert, bleibt offen.
Hoboken (U.S.A.). Wer ein eigenes Unternehmen führt, trägt Verantwortung, muss oft lange arbeiten und lebt mit finanzieller Unsicherheit. Dafür können Selbstständige häufig selbst entscheiden, welche Ideen sie verwirklichen und wie sie ihren Arbeitsalltag gestalten. Welche dieser gegensätzlichen Seiten sich langfristig auf die Gesundheit auswirken, war bisher unklar.
Viele Untersuchungen zum Unternehmertum konzentrieren sich auf Stress, Beschwerden oder einzelne Krankheiten. Doch solche Momentaufnahmen verraten wenig darüber, ob unterschiedliche Berufswege auch mit der Lebensdauer zusammenhängen. Dafür braucht es Daten, die Menschen über viele Jahre begleiten.
Forscher des Stevens Institute of Technology um Dr. Cristiano Bellavitis haben deshalb den Zusammenhang zwischen Selbstständigkeit und Sterblichkeit genauer untersucht. Als Grundlage dienten Angaben von 27.501 Menschen aus der amerikanischen Health and Retirement Study (HRS), einer langfristigen Befragung zum Altern. Das Team wertete 137.542 wiederholte Beobachtungen aus den Jahren 1998 bis 2020 mit statistischen Überlebensmodellen aus.
Das Ergebnis: Menschen mit unternehmerischer Berufserfahrung hatten laut den Auswertungen ein um rund zehn Prozent geringeres Sterberisiko als Personen in abhängiger Beschäftigung. Der Zusammenhang blieb auch bestehen, nachdem die Wissenschaftler unter anderem Alter, Einkommen, Bildungsstand und gesundheitliche Merkmale statistisch berücksichtigt hatten. Weitere Prüfungen, darunter Vergleiche eineiiger Zwillinge, sollten mögliche Verzerrungen eingrenzen.
Die Zahl bedeutet allerdings nicht, dass Selbstständige durchschnittlich zehn Prozent mehr Lebensjahre gewinnen. Gemessen wurde ein Unterschied beim statistischen Sterberisiko, nicht eine entsprechend verlängerte individuelle Lebenserwartung. Auch konnten die Forscher mit diesen Beobachtungsdaten keine ursächliche Schutzwirkung des Unternehmertums nachweisen.
Besonders deutlich war der Vorteil bei Menschen, die freiwillig eine Geschäftsidee verwirklichten oder eine wirtschaftliche Chance nutzen wollten. Wer sich dagegen aus einer Notlage heraus selbstständig machte, etwa nach einem Arbeitsplatzverlust, zeigte keinen vergleichbaren Vorteil. Offenbar ist die Motivation für den Schritt in die Selbstständigkeit ein wichtiger Teil des Zusammenhangs.
„Offenbar kommt es nicht allein auf das Unternehmertum an, sondern auf die Umstände, unter denen Menschen diesen Weg einschlagen. Wenn Unternehmertum mehr Wahlfreiheit und Chancen widerspiegelt, könnten die damit verbundene Selbstbestimmung und das Gefühl von Sinn psychologische Vorteile bieten, die über finanzielle Erträge hinausgehen“, erklärt Dr. Cristiano Bellavitis.
Außerdem war eine längere und häufigere unternehmerische Tätigkeit mit einem geringeren Sterberisiko verbunden. Die Autoren betrachten Selbstständigkeit deshalb nicht nur als aktuellen Beruf, sondern als Erfahrung, die sich über verschiedene Lebensphasen erstrecken kann. Allerdings lassen sich günstige Ausgangsbedingungen und persönliche Eigenschaften nicht vollständig von möglichen Wirkungen der Arbeit trennen.
Eine mögliche Erklärung liefern Unterschiede in der psychischen Gesundheit: Unternehmer berichteten seltener von depressiven Beschwerden und Einsamkeit. In den statistischen Analysen erklärte die psychische Gesundheit einen Teil des beobachteten Zusammenhangs mit der Lebensdauer. Allgemeine körperliche Gesundheitsmerkmale konnten den Unterschied dagegen kaum erklären.