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Auf nur drei Prozent der Gletscher entfällt mehr als die Hälfte des Eisverlusts
Nur ein kleiner Teil aller Gletscher endet in einem See, im Meer oder an einem Schelfeis. Doch diese Eisströme machten zwischen 2000 und 2019 mehr als die Hälfte des weltweiten Gletscher-Massenverlusts aus, wie eine globale Analyse zeigt. Besonders auffällig sind Gletscher an Seen, die gemessen an ihrer Fläche überdurchschnittlich viel Eis verlieren.
Birmingham (England). Gletscher reagieren nicht allein auf steigende Temperaturen. Auch ihre Umgebung am unteren Ende beeinflusst, wie schnell das Eis fließt und wie viel Masse verloren geht. Trifft eine Gletscherfront auf einen See oder das Meer, können zusätzlich Eisberge abbrechen und Schmelzprozesse unter der Wasseroberfläche auftreten.
Bisher fehlte allerdings ein vollständiger weltweiter Vergleich der verschiedenen Gletscherenden. Insbesondere die Wirkung von Seen wird in vielen Modellen zur künftigen Gletscherentwicklung kaum oder nur vereinfacht berücksichtigt. Dabei entstehen und wachsen infolge des Gletscherrückzugs in zahlreichen Regionen neue Schmelzwasserseen.
Forscher der University of Birmingham um Dr. Joseph Mallalieu haben nun 216.502 Gletscher aus einem globalen Inventar vier Gruppen zugeordnet. Sie unterschieden Gletscher, die auf Land, in Seen, im Meer oder an Schelfeis enden. Anschließend verknüpfte das Team die Klassifikation mit Satellitendaten zu Gletscherflächen, Fließgeschwindigkeiten und Massenänderungen sowie mit Klimadaten.
Das Ergebnis zeigt eine ungewöhnlich ungleiche Verteilung. Von den erfassten Gletschern enden 96,8 Prozent auf Land. Nur 3.548 münden in Seen, 3.222 ins Meer und 169 an Schelfeis. Zusammen bilden diese drei Gruppen lediglich 3,2 Prozent aller Gletscher, umfassen aber rund 53,8 Prozent der untersuchten Gletscherfläche.
Auch beim Eisverlust fällt ihr Anteil groß aus. Nach den ausgewerteten Massendaten verloren die Gletscher an Seen, im Meer und an Schelfeis zwischen 2000 und 2019 zusammen durchschnittlich rund 134 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr. Das entspricht 50,6 Prozent des gesamten erfassten Massenverlusts. Ein wesentlicher Grund dafür ist ihre überdurchschnittliche Größe.
Regional unterscheidet sich dieses Muster erheblich. Während Gletscher mit einem Ende auf Land in niedrigeren Breiten dominieren, fließt in arktischen Regionen ein großer Anteil der Gletscherfläche in Meeresbuchten, Seen oder Schelfeis. Seenberührende Gletscher kommen dagegen in allen 19 untersuchten Gletscherregionen vor.
Besonders markant ist die Entwicklung der Gletscher an Seen. Ihr mittlerer flächenbezogener Massenverlust lag von 2000 bis 2019 bei rund 0,49 Metern Wasseräquivalent pro Jahr. Bei Gletschern, die auf Land oder im Meer enden, betrug dieser Median nur etwa 0,25 beziehungsweise 0,24 Meter. Das Wasseräquivalent beschreibt, wie viel Wasser der verlorenen Eismasse entspricht.
Weil sich diese Gletscherarten auch in Größe, Lage und Klima unterscheiden, berechneten die Wissenschaftler statistische Vergleiche unter Berücksichtigung dieser Faktoren. Demnach verloren Gletscher an Seen bezogen auf ihre Fläche rund 57 Prozent mehr Masse als vergleichbare Gletscher auf Land. Die Daten zeigen somit mehr als nur einen Größenunterschied zwischen den Gruppen.
„Wir wissen noch nicht genau, warum“, erklärt Dr. Joseph Mallalieu.