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Ostasiens Regenfront rückt immer weiter in den Norden
Verschobene Regenzone: Die sommerliche Front über Ostasien lag im September der letzten 20 Jahre im Mittel rund 213 Kilometer nördlicher als zwei Jahrzehnte zuvor. Eine Auswertung von 47 Jahren Klimadaten verknüpft diese Verlagerung mit mehr Regen über Korea und erhöhter Hitzebelastung. Besonders auffällig sind Tage, an denen beides zusammenkommt.
Daejeon (Südkorea). Wenn warme, feuchte Luft auf kühlere Luftmassen trifft, entstehen über Ostasien ausgedehnte Regenfronten. Ihre Lage beeinflusst, wo es kräftig regnet und welche Gebiete gleichzeitig unter schwüler Hitze leiden. Doch diese Grenze zwischen den Luftmassen ist keineswegs unveränderlich.
Bislang konzentrierten sich viele Untersuchungen darauf, wie stark die Niederschläge entlang solcher Fronten zunehmen. Weniger klar war, ob sich auch der Weg des sommerlichen Regenbands über Jahrzehnte verschoben hat. Dabei können mehrere Wettergefahren gleichzeitig auftreten und die Folgen für die betroffenen Regionen verschärfen.
Forscher des APEC Climate Center (APCC) um Dr. Suyeon Moon haben nun die langfristigen Veränderungen der ostasiatischen Sommerfront untersucht. Sie analysierten Wetter- und Klimadaten von 1979 bis 2025 und verglichen die Position des Regenbands zu verschiedenen Zeiten des Sommers.
Dazu nutzte das Team den ERA5-Datensatz des European Centre for Medium-Range Weather Forecasts (ECMWF). Diese sogenannte Reanalyse verbindet historische Beobachtungen mit Wettermodellen zu einem räumlich zusammenhängenden Bild der Atmosphäre. Mit einem automatischen Verfahren bestimmten die Forscher die Frontpositionen im Abstand von sechs Stunden und prüften sie anhand von Wetterkarten.
Der Vergleich zeigt eine deutliche Verschiebung: Von Ende Juni bis Mitte Juli lag die Front zwischen 2006 und 2025 im Mittel rund 146 Kilometer weiter nördlich als zwischen 1979 und 1998. Noch ausgeprägter war die Verlagerung vom 10. bis 30. September mit rund 213 Kilometern. Das entspricht einem Unterschied von etwa 1,92 Breitengraden.
Früher erstreckte sich die spätsommerliche Regenfront häufig bis zum Jangtse-Becken und über das Meer südlich der koreanischen Insel Jeju. In den jüngeren Vergleichsjahren lag ihr Schwerpunkt dagegen weiter nördlich und erreichte vermehrt den Süden der koreanischen Halbinsel.
Mit der Nordverlagerung verändern sich auch die Wetterbelastungen. Während der Hauptzeit der Sommerfront häufen sich nördlichere Niederschläge, zugleich steigt in weiter südlich gelegenen Teilen Ostasiens die Hitzebelastung. Im Spätsommer überlagern sich beide Auswirkungen besonders deutlich über Korea.
Die Forscher erfassten die Hitze mit der sogenannten Feuchtkugel-Globetemperatur, einem Maß für die Belastung des Körpers unter anderem durch Temperatur und Luftfeuchtigkeit. In Teilen Koreas nahm dieser Wert bei einer um eine Standardabweichung weiter nördlich liegenden Front um mehr als 0,4 Grad Celsius zu. Das ist nicht mit einer gleich großen Erhöhung der gewöhnlichen Lufttemperatur gleichzusetzen.
Besonders markant ist das gemeinsame Auftreten von überdurchschnittlichem Regen und Hitzestress: In Spätsommerjahren mit nördlicher Frontlage kamen solche Tage etwa acht- bis 19-mal so häufig vor wie bei südlicher Frontlage. Selbst nach dem Herausrechnen langfristiger Trends blieb ein etwa drei- bis neunfacher Unterschied bestehen. Die Ergebnisse beschreiben damit einen Zusammenhang zwischen Frontposition und kombinierten Wettergefahren, keine Vorhersage für einen einzelnen Sommer.