// HEISE ONLINE — MODA & SOCIETÀ
TLD-Berwerbungen: Privatwirtschaft greift nach Städtedomains
Für hunderte neue Top-Level-Domains gibt es Mehrfachbewerber. Um Städtenamen wie München und Frankfurt bahnt sich Streit an.
Für fast 900 der 1615 bei der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) beantragten neuen Top Level Domains (TLDs) gibt es gleich mehrere Bewerber. Noch ungeklärt ist auch, wie sich die Städte München und Frankfurt zu privaten Bewerbungen um ihre Städtenamen verhalten werden. Am Ende könnte die gerade angelaufene Bewerberrunde deutlich kleiner ausfallen als die Runde 2012, wie Teilnehmer des ICANN-Treffens in Bali diese Woche unterstrichen.
263 Namen in der neuen Bewerberrunde bei der ICANN sind besonders umstritten. Für sie liegen insgesamt 891 Bewerbungen vor, für besonders beliebte wie .agent sogar ein Dutzend. Wer eine neue TLD erhält, kann darunter Second Level Domains mit der entsprechenden Endung an jedermann verkaufen, etwa mein.cert oder sich nur dedizierte Nutzergruppen richten, wie die von vielen Nationalbanken unterstützte Bewerbung um .euro der Europäischen Zentralbank.
Die lang erwartete neue Runde könnte am Ende deutlich kleiner ausfallen als die Runde 2012, kommentiert Kathrin Ohlmer, Geschäftsführerin von dotBerlin. Das Unternehmen hinter der Hauptstadt-TLD hat Anträge für .ber und .bln gestellt. Unter beiden will man unter anderem Namen mit Berlinbezug vermarkten. BER dient etwa als IATA-Kürzel für den Flughafen Berlin Brandenburg, aber auch, so heißt es in der Bewerbung, als Akronym für Bit Error Rate oder Base Encoding Rules.
Beteiligt ist Ohlmer unter anderem auch an der Vorarbeit für .bremen, die eine sogenannte GeoTLD werden soll. Im Bewerbungsverfahren wird grundsätzlich unterschieden zwischen offenen, generischen Top Level Domains (gTLDs), TLDs für Markennamen, solche für bestimmte gesellschaftliche Gruppen (Communities) oder eben TLDs mit einem Bezug zu geographischen Namen (GeoTLD). Für die verschiedenen Typen gelten jeweils spezielle Regeln. Marken-TLDs können nur für eingetragene Marken beantragt werden. Für Community-TLDs muss die Unterstützung einer entsprechenden Gruppe dokumentiert werden und für geographische TLDs bedarf es der Zustimmung eines Landes oder einer Stadt.
Für die beiden Kandidaten .muenchen und .frankfurt hat dotBerlin-Mitgründer Dirk Krischenowski nun allerdings allgemeine gTLD-Bewerbungen abgegeben, agiert also, zumindest aktuell, ohne Zustimmung der Städte. Man sei vom Digitalministerium in Kenntnis gesetzt worden, „dass eine private Gesellschaft die Verwendung der Domain .muenchen als ‚normale‘ und nicht als geoTLD beantragt hat“, schreibt die Pressestelle der Stadt München. Eine Anfrage beim IT-Amt der Stadt bezüglich der Beantragung habe es bislang nicht gegeben, so eine Sprecherin. Sie unterstreicht zugleich: „Da es sich bei .muenchen gemäß der Richtlinien der ICANN um eine geoTLD handelt (Städtenamen, geografische Zweckbestimmung) sind wir seitens des IT-Referats aktuell damit befasst, dass die entsprechende Beantragung im richtigen (geoTLD-)Kontext seitens der ICANN behandelt wird.“
Seitens der Landeshauptstadt München gebe es aktuell keine Bestrebungen, „weitere geoTLDs zu etablieren“ und auch „keine Absprachen über eine mögliche Kooperation mit dem Antragsteller.“
Die Antwort aus dem Presseamt der Stadt Frankfurt steht noch aus. Auch dort muss man sich offensichtlich erst ins Bild setzen.
.muenchen- und .frankfurt-Antragsteller Krischenowski will sich zu den Bewerbungen erst äußern, wenn die Phase der Bestätigung der gTLD-Bewerbungen abgeschlossen ist. Bis 21. Oktober hatten die Bewerber noch Zeit, auf hinterlegte Ersatznamen auszuweichen. Etwa, um Doppelungen mit Mitbewerbern und die am Ende notwendigen Auktionen zu vermeiden. Bis 17. November herrscht laut ICANN-Regeln eine Stillschweigepflicht.
Die Frage, ob Städtedomains vom Vertrauensvorschuss profitieren, den Nutzer einer solchen „offiziös“ wirkenden TLD entgegenbringen könnte, verneint Krischenowski in seiner Bewerbung für Bremen. Seit 30 Jahren seien Internetnut