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Brasiliens Kapitalmärkte stürzen ab
Während die EU die Wiederwahl von Brasiliens Präsident Lula begrüßt, hat diese einen Kurssturz bei brasilianischen Aktien und Anleihen ausgelöst. Die Märkte sorgen sich um Brasiliens hohe Verschuldung.
Das hatten die wenigsten Investoren auf dem Schirm: Überraschend konnte Brasiliens linker Präsident Luiz Inácio Lula da Silva das Ruder noch herumreißen, er wurde mit über vier Millionen Stimmen Vorsprung für eine vierte Amtszeit gewählt. Die erste Wahlrunde Anfang Oktober hatte sein rechter Herausforderer Flávio Bolsonaro gewonnen.
Die brasilianischen Kapitalmärkte brachen wegen des Ergebnisses ein. Wenn die Börse in Sao Paulo heute Nachmittag eröffnet, werden zweistellige Verluste erwartet. Indexfonds auf den Leitindex Bovespa büßten am Morgen bis zu 25 Prozent ein. Brasilianische Staatsanleihen stehen ebenfalls stark unter Druck, während die Landeswährung Real gegenüber dem Dollar über acht Prozent tiefer gehandelt wird.
Auf die erste Wahlrunde hatten die Finanzmärkte noch euphorisch reagiert. Sie hatten unter einer Bolsonaro-Regierung auf einen wirtschaftsfreundlicheren Kurs gesetzt. Der Bovespa war am 9. Oktober erstmals in seiner Geschichte über 200.000 Punkte gesprungen. Nicht zuletzt die Aktie des Ölriesen Petrobras hatte in der Hoffnung auf geringere Umweltauflagen kräftig zugelegt.
Auch die Kurse brasilianischer Anleihen waren in der Hoffnung auf eine höhere Haushaltsdisziplin unter einem neuen Präsidenten deutlich gestiegen.
Der linksgerichtete Staatschef Lula da Silva hat die Präsidentschaftswahl in Brasilien gewonnen.
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Nun geht die Sorge vor weiter steigenden Staatsausgaben und einer ausufernden Verschuldung um. Unter Präsident Lula hat die Staatsverschuldung Brasiliens knapp 83 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht. Beobachter wie die Weltbank warnen, dass die Schuldenquote unter der fortgeführten Ausgabenpolitik der Regierung bald das extreme Niveau von 100 Prozent erreichen könnte.
Dass der von US-Präsident Donald Trump unterstützte Bolsonaro das Wahlergebnis nicht anerkennen will, dürfte an den Märkten aber auch nicht gerade für Beruhigung sorgen.
"Das wichtigste Signal für die Märkte wird das künftige Bekenntnis der Lula-Regierung zur Haushaltsdisziplin sein", kommentierte Graham Stock, Anleihestratege beim Londoner Fondsanbieter RBC Bluebay Asset Management. "Ganz oben auf der Agenda steht die Ernennung eines neuen Finanzministers in den kommenden Wochen." Dem gemäßigten Vizepräsidenten Geraldo Alckmin sei gestern Abend bei Lulas Siegesfeierlichkeiten eine herausragende Rolle zugekommen, was Hoffnungen wecke, dass er die Wirtschaftspolitik in eine konservativere Richtung lenken könnte.
"Wir sind der Ansicht, dass auch eine Lula-Regierung nicht umhinkommen wird, zumindest gewisse Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung zu ergreifen", sagte Thierry Larose, Portfoliomanager bei der Privatbank Vontobel.