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Wahlsieg der Studentenliste: Serbien betritt politisches Neuland
Absolute Mehrheit für die Studentenliste: In Serbien hat sie überraschend klar die Parlamentswahl gewonnen. Aber wie kann aus einer Protestbewegung eine Regierung werden? Vieles ist unklar - und die Aufgaben sind groß.
In Serbien hat die Studentenliste die Parlamentswahl unerwartet deutlich gewonnen: Die Opposition, entstanden aus einer breiten Protestbewegung, erreichte nach vorläufigen Angaben der Wahlkommission mit gut 53 Prozent der Stimmen sogar die absolute Mehrheit. Langzeitmachthaber Aleksandar Vucic und seine Serbischen Fortschrittspartei (SNS) kamen demnach auf gut 39 Prozent.
Vucic räumte noch in der Nacht seine Niederlage ein - für viele Beobachter überraschend schnell. "Alle rechneten mit einer langen Nacht, möglicherweise mit einem tagelangen, hin und her", sagt Florian Bieber, Professor für südosteuropäische Politik und Geschichte an der Universität Graz. Doch das eindeutige Ergebnis habe Vucic keine andere Wahl gelassen: "Es war klar, dass er selbst mit allen Möglichkeiten der Wahlmanipulation das Ergebnis nicht mehr hätte fälschen können", erklärt der Serbien-Experte.
Die oppositionelle Studentenliste habe die Wahl gewonnen, sagte Vucic in einer Ansprache in Belgrad.
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In Serbien scheint also der Weg frei für einen Machtwechsel. Die Studentenliste kann alleine eine Regierung bilden und voraussichtlich 140 Abgeordnete ins Parlament schicken. Auf ihrer Wahlliste standen nahezu keine Studierenden - sondern Experten, die basisdemokratisch bestimmt wurden.
Trotz des klaren Wahlsiegs ist aber vieles offen. Das größte Fragezeichen: Wer wird nun Regierungschef? Der Listenführer, Ilija Srdanovic, gilt nicht automatisch als Anwärter auf das Ministerpräsidentenamt. Wer Premierminister wird und wer welcher Minister, soll erst in den kommenden Tagen entschieden werden.
Nach Einschätzung des Südosteuropa-Experten Bieber ist das ein spannendes Experiment - aber nicht ohne Risiko. "Es war clever bis Sonntagabend. Das ist natürlich jetzt anders. Jetzt müssen sie an die Öffentlichkeit gehen. Jetzt müssen sie auch transparenter sein." Eine breite Bewegung könne zwar eine Regierung stürzen - aber nicht regieren, so Bieber.
Es stünden große Aufgaben bevor: "Die Justiz, die Staatsanwaltschaft, alle Institutionen sind unter Kontrolle von Vucics Leuten", sagt der Serbien-Experte. Kritiker werfen Vucic vor, die Demokratie in Serbien ausgehöhlt und Andersdenkende sowie unabhängige Medien unterdrückt zu haben.
Podcast
23.10.2026
Serbiens Präsident Vucic wird bei den Parlamentswahlen von einer Studentenbewegung herausgefordert.
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