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Reddit-Eklat: Open-Source-Forum erklärt Einzelentwickler für unerwünscht
Eine der bedeutenderen Open-Source-Communitys auf Reddit hat ihre Regeln radikal verschärft. Zukünftig sind nicht nur mit KI entwickelte, sondern auch Projekte von Einzelentwicklern unerwünscht. Selbst fehlende Englischkenntnisse werden zum Problem. Die Moderatoren geben zu, dass Regelverletzungen kaum kontrollierbar sind.
Etwa 390.000 Teilnehmer zählt das seit 2008 bestehende Reddit-Forum r/opensource. Hier werden quelloffene Programme präsentiert, Fragen zur Softwareentwicklung diskutiert und neue Mitstreiter für Projekte gesucht. Wenigstens Letzteres dürfte künftig schwieriger werden. Unlängst hat das Moderationsteam unter dem Titel „Your tokens aren’t valuable: No more AI” neue Regeln bekannt gegeben, die einen beträchtlichen Teil bisher erlaubter Projektvorstellungen ausschließen.
Im Fadenkreuz haben die Moderatoren zunächst künstliche Intelligenz. Software, die KI nutzt, mithilfe von KI entwickelt wurde oder für KI-Anwendungen vorgesehen ist, darf nicht mehr vorgestellt werden. Explizit verboten sind auch MCP-Server, über die KI-Anwendungen auf fremde Werkzeuge und Datenquellen zugreifen können.
Wer komplett auf KI verzichtet, hat das erste Hindernis genommen. Jedoch muss ein Projekt bereits seit mindestens einem Jahr aktiv gepflegt werden und eine eigene Community besitzen. Zudem fordert das Moderationsteam mehrere Mitwirkende. Als Richtwert gelten mindestens drei Entwickler, wobei sich die Moderatoren Ausnahmen nach eigenem Gutdünken vorbehalten.
Einzelentwickler, die ihre Software seit Jahren selbstständig betreuen, haben damit schlechte Karten. Selbst die Suche nach weiteren Mitwirkenden soll nicht mehr gestattet sein. Das schließt ausgerechnet eine Möglichkeit aus, über die bisher kleine Open-Source-Projekte wachsen konnten.
Auch an die Reddit-Accounts der Einreichenden werden Auflagen gestellt. Diese müssen mindestens ein Jahr alt sein und eine spürbare Beteiligung an Reddit nachweisen können. Für bestimmte offiziell registrierte Organisationen gelten Ausnahmen von den Mindestanforderungen.
Für großen Protest sorgt eine weitere Bestimmung: Wer kein Englisch spricht, soll sich nach Ansicht der Moderatoren eine andere Community suchen.
Das hängt auch mit dem KI-Verbot zusammen. Die Moderatoren argumentieren, sie könnten einen vollständig von KI geschriebenen Beitrag nicht von einem Text unterscheiden, der bloß mit KI-Unterstützung ins Englische übersetzt wurde. Menschen ohne passende Sprachkenntnisse könnten außerdem nicht selbst überprüfen, ob ihre Übersetzung richtig sei.
Das Problem an dieser Argumentation: Ein deutscher Entwickler kann seinen englischen Beitrag eigenständig schreiben, mit DeepL und Co. übersetzen oder vollständig von der KI schreiben lassen. Für die Moderatoren sieht das Ergebnis gegebenenfall gleich aus. Umgekehrt kann auch ein englischer Muttersprachler einen Beitrag vollständig erzeugen lassen. Aus dem fertigen Text geht weder hervor, welche Werkzeuge verwendet wurden, noch welche Sprachkenntnisse der Autor besitzt.
Die Regeln treffen damit ausgerechnet diejenigen, die für die Teilnahme an einer internationalen Entwicklergemeinschaft auf Übersetzungshilfen angewiesen sind.