// TAGESSCHAU AUSLAND — MONDO
US-Parteien: Nicht mehr selbstverständlich an der Seite Israels
Die USA sind der wichtigste Verbündete Israels. Doch das Verhältnis wandelt sich. Vor allem jüngere US-Bürger sehen die Regierung Netanjahu kritisch. Das wirkt sich auch auf den Wahlkampf von Demokraten und Republikanern aus.
Zohran Mamdani hat es in diesen Tagen nicht leicht: Für den israelischen Ministerpräsidenten ist New Yorks Bürgermeister ein "Antisemit", für propalästinensische Aktivisten dagegen ein "Verräter" und "Komplize des Genozids" im Gaza. Mamdani erlebt in seinem Amt, wie schwer es ist, sich zwischen den Polen einer vergifteten Debatte um das Verhältnis zu Israel zu bewegen.
Die eine Seite wirft ihm vor, dass er auch selbst das israelische Vorgehen in Gaza mehrfach als "Genozid" kritisiert hat. Vor der UN-Generalversammlung im September ließ er prüfen, ob die New Yorker Polizei den Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshof gegen Benjamin Netanjahu vollstrecken kann.
Und er gilt als Vorbild und Förderer einer neuen Generation progressiver Kandidierenden für die bevorstehenden Kongresswahlen. Im New Yorker Stadtteil Harlem tritt nun die propalästinensische Aktivistin Darializa Avila Chevalier an, die vor zwei Jahren bei den Gaza-Protesten eine zentrale Rolle gespielt hatte.
Chevalier setzte sich bei den parteiinternen Vorwahlen gegen einen langjährigen Abgeordneten durch, dem die Millionenspenden proisraelischer Lobbyorganisationen am Ende möglicherweise sogar geschadet haben.
Darializa Avila Chevalier schlug in der Vorwahl den bisherigen Abgeordneten ihrer Partei und kandidiert nun für einen Sitz im Repräsentantenhaus.
Auf der anderen Seite sucht Bürgermeister Mamdani demonstrativ den Schulterschluss mit New Yorker Juden. Erst im September hat er ein ambitioniertes Programm gegen Antisemitismus auf den Weg gebracht. Zur Überraschung vieler inszeniert der bekennende Muslim seit seinem Amtsantritt ein betont harmonisches Arbeitsverhältnis mit der jüdischen Polizeichefin Jessica Tisch, einer engagierten Unterstützerin Israels. Für den radikalen Flügel seiner Anhängerschaft sind solche Signale des Ausgleichs purer Verrat.
Zur offenen Konfrontation kam es, als sich Mamdani am Jahrestag der Terroranschläge vom 7.Oktober an einer Mahnwache beteiligte. Während der Bürgermeister zwischen Vertretern jüdischer Gruppen schweigend eine Kerze in der Hand hielt, schallten ihm von der anderen Seite der Polizeiabsperrung aggressive Beschimpfung und antisemitische Sprechchöre entgegen.
Die Teilnahme Mamdanis an einer Mahnwache für die Opfer des Hamas-Terrors vom 7. Oktober 2023 löste in New York laute Proteste pro-palästinensischer Aktivisten aus.
Im spannungsreichen Mikrokosmos von New York zeigt sich wie in einem Brennglas der tiefe Riss, der sich beim Thema Israel durch die Demokratische Partei zieht. Das gilt auch für die Demokraten im US-Repräsentantenhaus. Ein Antrag zum Stopp aller Waffenlieferungen an Israel fand vor einigen Wochen mit 103 Ja und 99 Nein-Stimmen erstmals mehr Unterstützer als Gegner unter den Demokraten.