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Psychedelikum: Krötengift hilft bei therapieresistenter Depression
Ein ungewöhnlicher Kandidat gegen hartnäckige Depressionen: Ein synthetisch hergestellter Wirkstoff, der auch im Sekret einer nordamerikanischen Kröte vorkommt, hat in einer klinischen Studie Beschwerden stärker gelindert als eine sehr niedrige Vergleichsdosis. Der Effekt zeigte sich rasch und hielt über mehrere Wochen an. Ob die Behandlung dauerhaft hilft, muss sich jedoch erst zeigen.
Oxford (England). Wenn mehrere Antidepressiva nicht ausreichend helfen, sind die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt. Psychedelische Wirkstoffe gelten deshalb als mögliche Ergänzung. Doch viele von ihnen verändern das Bewusstsein über Stunden und erfordern entsprechend aufwendige Begleitung und Überwachung.
Mebufotenin, auch 5-MeO-DMT genannt, könnte hier einen Vorteil bieten. Die Substanz kommt natürlicherweise unter anderem im Sekret der Colorado-Kröte vor, wurde für die aktuelle Untersuchung aber synthetisch hergestellt. Ihr intensiver psychedelischer Effekt klingt meist in deutlich kürzerer Zeit ab als bei anderen untersuchten Psychedelika.
Forscher des Biotechnologieunternehmens AtaiBeckley um Dr. Mathieu Seynaeve haben nun untersucht, ob ein einmaliges Mebufotenin-Nasenspray Depressionen lindern kann. Dabei interessierte das Team auch, wann die Patienten nach der Gabe wieder entlassungsbereit waren.
In der randomisierten, doppelblinden Phase-2b-Studie wurden 196 Erwachsene einer Behandlung zugelost, 193 gingen in die hauptsächlichen Auswertungen ein. Sie litten an mittelschweren bis schweren Depressionen und hatten auf zwei bis fünf Behandlungsversuche mit Antidepressiva nicht ausreichend angesprochen. Die Untersuchung fand an 38 Standorten in Australien, Europa und den USA statt.
Nach einem erforderlichen Absetzen bisheriger Antidepressiva erhielten die Patienten einmalig einen Sprühstoß in ein Nasenloch. 46 bekamen acht Milligramm Mebufotenin, 73 erhielten zwölf Milligramm und 74 nur 0,3 Milligramm als niedrig dosierten Vergleich. Alle Gruppen erhielten psychologische Unterstützung vor, während und nach der Behandlung.
Am 29. Tag hatten die Depressionsbeschwerden in beiden höher dosierten Gruppen stärker abgenommen als in der Vergleichsgruppe. Auf einer Skala von null bis 60 sank der mittlere Wert bei acht Milligramm um 12,5 Punkte, bei zwölf Milligramm um 11,1 Punkte. Bei der niedrigen Vergleichsdosis betrug der Rückgang 5,5 Punkte.
Für den vorab festgelegten Hauptvergleich der Zwölf-Milligramm-Gruppe mit der Vergleichsgruppe ergab sich nach statistischer Anpassung ein Unterschied von 5,3 Punkten. Bei acht Milligramm betrug der entsprechende Unterschied 6,2 Punkte. Vorteile zeigten sich bereits zwei Tage nach der Behandlung und blieben bis zum Ende der achtwöchigen Nachbeobachtung erkennbar.
Am 29. Tag erreichten 35 Prozent der Patienten mit acht Milligramm und 34 Prozent mit zwölf Milligramm eine deutliche Besserung, gegenüber zwölf Prozent in der Vergleichsgruppe. Eine Remission, also eine weitgehende Rückbildung der Symptome, wurde bei 26, 18 beziehungsweise acht Prozent festgestellt. Die höhere Dosis schnitt demnach nicht in allen Ergebnissen besser ab.
Auch die kurze Dauer der akuten Wirkung könnte praktisch bedeutsam sein: Bei acht Milligramm galten 85 Prozent der Patienten innerhalb von zwei Stunden als entlassungsbereit, bei zwölf Milligramm waren es 78 Prozent. Diese Beurteilung bedeutet allerdings nicht, dass alle tatsächlich nach zwei Stunden nach Hause gingen oder ohne weitere Betreuung auskamen.