// TAGESSCHAU AUSLAND — MONDO
Nach Anschlägen in Frankreich: Sorge vor wachsendem Rassismus
Nach den offenbar rassistisch motivierten Anschlägen in Frankreich gehen in Paris Menschen auf die Straße. Viele sehen rechte Medien in der Verantwortung - und den Rassemblement National.
Dicht gedrängt stehen die Menschen in der Dunkelheit auf dem Platz im Nordosten von Paris. Manche haben weiße Pappschilder in der Hand, auf denen steht: "Rassismus tötet". Sie mache sich Sorgen, sagt Élodie. Um sich selbst, aber auch um ihre Familie.
Denn was passiert sei, zeige, wie sehr Rassismus und Faschismus in Frankreich auf dem Vormarsch seien, sagt sie. "Mich als schwarze Frau hat das sehr betroffen gemacht. Ich habe Brüder und Schwestern, und es hätte uns alle treffen können. Ich bin hier, um zu zeigen, dass ich das nicht okay finde."
Andréa ist zu Besuch in Paris. Sie sei lange Lokalpolitikerin gewesen, erzählt sie. Und habe gemerkt, dass sich die Grenzen des Sagbaren verschoben haben. Sie habe Angst, dass das nur der Anfang sei. Rassistische Aussagen würden in Frankreich immer seltener zurückgehalten, so Andréa. "Und heute töten sie."
Viele Teilnehmer sehen die Verantwortung auch bei den Medien.
Viele auf der Kundgebung sehen auch die französischen Medien in der Verantwortung, geben ihnen eine Mitschuld an den tödlichen Attacken von Trappes und La Verrière. Rechte Sender wie etwa CNews würden rassistische Äußerungen ungefiltert weiterverbreiten, so der Vorwurf. Die Regierung von Präsident Emmanuel Macron ließen das geschehen.
Ali Rabeh, der Bürgermeister von Trappes, sieht eine klare politische Verantwortung: nämlich beim rechtsnationalen Rassemblement National und dessen Parteichef Jordan Bardella.
"Bis zum Überdruss hat Jordan Bardella wiederholt, ich zitiere: "Trappes ist nicht mehr Frankreich". Er hat die Stadt eine "islamistische Republik im Kleinformat" genannt oder gesagt, Trappes sei "Kabul in 30 Minuten Entfernung von Paris". Dieser Mann und seine Partei haben die gesamte Bevölkerung von Trappes zur Zielscheibe gemacht, so Rabeh.
Am Freitag hatte ein 39-jähriger Franzose in den Kleinstädten Trappes und La Verrière südwestlich von Paris auf Passanten geschossen und offenbar gezielt schwarze und arabische Menschen angegriffen. Ein Mann starb: der 26-jährige Pengo Bossio Wangi - Franzose mit Wurzeln im Kongo. Vier Menschen wurden schwer verletzt, unter ihnen ein elfjähriges Mädchen.
Auf einem Plakat steht "Ihr Blut klebt an euren Händen".