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AZ-Delivery gibt sein Geschäft auf: Das Ende eines bekannten Maker-Shops
Viele angehende Maker haben in den vergangenen Jahren den Einstieg mit Produkten von AZ-Delivery gemacht. Nun schließt der vor Maker Shop seine Pforten.
Wer in den vergangenen Jahren als Maker-Einsteiger nach Arduino-Boards, ESP32-Modulen oder Sensoren gesucht hat, kam an AZ-Delivery kaum vorbei. Jetzt ist Schluss: AZ-Delivery schließt seine Türen. Das Unternehmen kündigt das Ende auf der eigenen Homepage per Banner an und wirbt zum Abschied mit Rabatten für Restbestände.
2014 fühlte sich Gründer Andreas Bonacina (EDIT: Nachname korrigiert) inspiriert: Nachdem sein Bruder mehrere Wochen auf Computerteile aus China gewartet hatte, entschloss er sich, ein FBA-Geschäft (Fulfillment by Amazon) zusammen aufzubauen. Innerhalb kurzer Zeit florierte das Geschäft, und Andreas konzentrierte sich zusammen mit Albert Vu auf den Aufbau seiner eigenen Marke AZ Delivery. 2018 war das Unternehmen in seiner Sparte Marktführer in Deutschland. Im Dezember 2020 wurde AZ-Delivery dann an den Amazon-Aggregator SellerX verkauft.
SellerX übernahm Online-Händler, die über Amazon ihre Produkte vertrieben – doch das Geschäftsmodell geriet in die Krise. Der Fall von SellerX, das von Blackrock versteigert werden sollte, zeigte die Schattenseiten des schnellen Wachstums: Übernahmen, Schulden und ein stagnierender Markt brachten das Modell ins Wanken. Die Geschäftsanschrift von AZ-Delivery wechselte zuletzt nach Berlin, zur c/o SellerX Germany GmbH.
In der Community war AZ-Delivery nie unumstritten. Bereits 2021 sorgte das Unternehmen für Aufsehen, als es begann, bekannte Produktbezeichnungen fremder Hersteller als Marke unter den Nagel zu reißen. Laut Handelsregister-Daten wurden dutzende Wortmarken angemeldet, darunter gängige Bauteilbezeichnungen wie ATMEGA328, DHT11, HC-05, HD44780, MAX7219, SSD1306, BME280 oder DS18B20 – allesamt seit Jahren in der Szene etablierte Bezeichnungen von Drittherstellern.
In Foren wurde das als „bösgläubige Markenanmeldung“ diskutiert. Der Bestand solcher Marken wurde angezweifelt, da die Bezeichnungen nachweislich vor dem Eintrag im Umlauf waren. Wie viele dieser Marken tatsächlich durchgesetzt werden konnten, ist unklar.
Von großem Bedauern ist in den einschlägigen Foren wenig zu spüren. Im Thread auf Mikrocontroller.net fällt der Abschied eher nüchtern aus – die Qualität der Produkte und der teils fragwürdige Umgang mit Markenrechten hatten dem Ruf geschadet. Auch im Make-Magazin-Test von verschiedenen Breadboards fielen die Produkte von AZ-Delivery durch.
Und doch: AZ-Delivery hat über Jahre eine Rolle gespielt, die man nicht unterschätzen sollte. Für viele angehende Maker war der Shop das Tor in die Welt des Makings mit Mikrocontrollern und dem Basteln mit Elektronik. Wer als Einsteiger bei Amazon nach „Arduino“ oder „ESP32“ suchte, landete fast unweigerlich bei AZ-Delivery – inklusive deutschsprachiger E-Books und Anleitungen, die mal brauchbar, mal weniger hilfreich waren. Die Hemmschwelle war deutlich niedriger als eine Direktbestellung bei AliExpress mit eventuell langen Lieferzeiten und chinesischer Dokumentation. So wurden die schnell verfügbaren und über Amazon lieferbaren Boards oft die pragmatische Wahl.
Wer jetzt noch zuschlagen will: Der Shop unter az-delivery.de ist noch erreichbar und fast überall sind schon reduzierte Preise angezeigt. Wie viel Einsparung das gegenüber anderen Quellen bietet, sollte man aber prüfen. Wie lange der Shop noch aktiv ist, zeigt ein Banner unten auf der Seite: aktuell noch 111 Tage. Alternativen für günstige Maker-Elektronik finden sich unter anderem bei BerryBase, Eckstein-Shop oder – mit etwas Erfahrung und Geduld – direkt bei AliExpress.
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