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Bausteine für die Entstehung des Lebens kamen wohl nicht von Kometen
Seit einem Jahrhundert gelten Kometen als mögliche Quelle für die molekularen Bausteine, aus denen das Leben entstanden ist. Das muss wohl revidiert werden.
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Die fast ein Jahrhundert alte Theorie, laut der die molekularen Bausteine für die Entstehung des Lebens einst von Kometen auf die Erde gebracht wurden, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch. Das meint zumindest ein internationales Forschungsteam, das auf Basis von Computermodellen herausgefunden hat, dass es den dafür nötigen „stetigen Regen“ aus präbiotischen Molekülen von Kometen nicht gegeben haben kann. Wegen der hohen Geschwindigkeit und des Einschlagswinkels von Kometen seien die Moleküle beim Einschlag „fast sicher“ verdampft. Bestenfalls könnten solche Stoffe einen derartigen Einschlag bei einem „einmaligen Zufall“ überstanden haben, aber zur Entstehung von Leben hätte danach viel mehr richtig gehen müssen. Das sei noch einmal unwahrscheinlicher.
Richard Anslow vom Institut für Astronomie der Universität Cambridge bezeichnet die Vorstellung, dass Kometen einst alle wichtigen Bausteine für die Entstehung von Leben auf die Erde geliefert haben, als Hauptautor der Studie jetzt als „romantisch“: „Doch unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass dies höchst unwahrscheinlich ist.“ In der Forschung sei die Idee populär gewesen, weil sie die komplexe Genese auf eine einzige Ursache zurückführe. Er spricht von der Monopoly-Karte. „Du kommst aus dem Gefängnis frei“, weil damit so viele unterschiedliche Probleme gelöst wurden. Auftrieb bekam die Vorstellung auch durch die europäische Weltraumsonde Rosetta, die auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko tatsächlich Lebensbausteine wie Glycin und Phosphor nachweisen konnte.
Ob die von dort aber auch in ausreichender Menge auf die Erdoberfläche gelangen konnten, hat das Forschungsteam beispielhaft für Cyanwasserstoff (Blausäure) untersucht, einen der Stoffe, die auf 67P gefunden wurden. Selbst wenn solche Moleküle den feurigen Absturz durch die Atmosphäre überstanden hätten, wäre es „extrem untypisch“, dass es eine „nützliche“ Menge gewesen wäre: „Das müsste wirklich ein Ereignis sein, das nur einmal in einer Million Fällen vorkommt, denn nicht nur müsste der Aufprall mit genau der richtigen Geschwindigkeit und im genau richtigen Winkel erfolgen, sondern es müsste auch alles, was danach geschieht – was die Konzentration und die Geschwindigkeit betrifft, mit der die chemischen Ursprünge des Lebens in Gang kamen –, genau richtig ablaufen“.
Für die Herkunft der Moleküle sieht die Forschungsgruppe eine Reihe von möglichen Alternativen. So könnten sie aus Material synthetisiert worden sein, das von Asteroiden auf die Erde gebracht wurde. Die haben die frühe Erde weitaus häufiger getroffen als Kometen. Die Bausteine des Lebens könnten aber auch komplett ohne Einflussnahme von außen entstanden sein, durch Prozesse, die sich nur auf der Erde abspielten. Für andere Planetensysteme will die Gruppe diesen Weg aber nicht ausschließen, ganz im Gegenteil. Wenn Planeten enger beieinander kreisen als im Sonnensystem, könnten Kometen von Planet zu Planet „springen“ und dabei abgebremst werden. Diese Möglichkeit hatten Anslow und Kollegen bereits 2023 beschrieben.
Während das Szenario für die Frühgeschichte der Erde damit für extrem unwahrscheinlich erklärt wird, hat Anslows Team einen anderen Planeten im Sonnensystem identifiziert, für den das so nicht gilt. Weil der Mars kleiner ist und über eine dünnere Atmosphäre verfügt, sei die Wahrscheinlichkeit, dass Kometen und ihr Material dort die Oberfläche erreichen, viel größer gewesen. Das heiße zwar nicht, dass das auf dem Roten Planeten definitiv passiert sei, es lege aber nahe: Wäre es einst auf der Erde passiert, dann wohl auch auf dem Mars. Vielleicht wahrscheinlicher bleibe aber, dass es auf beiden Himmelskörpern so nicht geschehen sei. Ver