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Webb zeigt Galaxienkollision, bei der eine der Galaxien verschwunden ist
Kosmische Spurensuche: Rund 25 Millionen Lichtjahre entfernt zeigt Arp 263 ein unruhiges Nebeneinander aus alten Sternen und jungen Sternhaufen. Ein neues Infrarotbild des James-Webb-Weltraumteleskops macht viele Sterne sichtbar, die bisher hinter Staub verborgen waren. Zugleich liefern die verformte Gestalt und ungewöhnliche Gasbewegungen Hinweise auf eine frühere Galaxienverschmelzung.
Baltimore (U.S.A.). Galaxien können ihre ungewöhnliche Gestalt noch lange nach einer engen Begegnung mit einem anderen Sternensystem behalten. Die gegenseitige Schwerkraft lenkt Sterne um und reißt Gasströme aus ihren gewohnten Bahnen. An manchen Stellen verdichtet sich das Gas dabei so stark, dass neue Sterne entstehen.
Ein mögliches Beispiel dafür ist Arp 263, auch NGC 3239 genannt, im Sternbild Löwe. Die Galaxie wirkt ungleichmäßig und besitzt verstreute, besonders helle Bereiche. Schon eine 2023 veröffentlichte Aufnahme des Hubble-Weltraumteleskops zeigte dort leuchtende Nebel, die mit jungen Sternen zusammenhängen.
Die am 27. August 2026 veröffentlichte Aufnahme stammt von der Nahinfrarotkamera (NIRCam) des James-Webb-Weltraumteleskops. Ihre Infrarotstrahlung durchdringt einen Teil des Staubs, der Sterne im sichtbaren Licht verdeckt. So treten zahllose einzelne Sterne und kompakte Sternhaufen im gestörten Sternensystem deutlicher hervor.
Ein direkter Vergleich mit dem älteren Hubble-Bild macht den Unterschied sichtbar: Während dort helle Gasnebel und rötliche Sternentstehungsgebiete auffallen, zeigt Webb vor allem die dichte Verteilung der Sterne. Neben älteren Sternen erscheinen zahlreiche Haufen mit jungen Sternen. Die Bildfarben sind dabei eine Darstellung verschiedener Infrarotwellenlängen und nicht die Farben, die das menschliche Auge im All wahrnehmen würde.
Auch jenseits des neuen Bildausschnitts finden sich Spuren einer möglichen Kollision. Arp 263 besitzt zwei kurze, gebogene Ausläufer aus Sternen, sogenannte Gezeitenschweife, wie sie durch starke Schwerkraftwechselwirkungen entstehen können. Zusätzlich stimmt die räumliche Ausrichtung der Sterne nicht mit derjenigen des Wasserstoffgases überein.
Das Gas bewegt sich zudem stellenweise mit auffälligen Geschwindigkeiten, statt überall einer regelmäßigen Rotation zu folgen. Diese Merkmale lassen vermuten, dass die Galaxie nach einer früheren Begegnung noch nicht wieder ins Gleichgewicht gelangt ist. Der mutmaßliche frühere Partner ist heute allerdings nicht eindeutig nachweisbar.
Möglicherweise handelte es sich um eine kleine Zwerggalaxie, die bei der Begegnung vollständig in Arp 263 aufgegangen ist. Denkbar wäre auch ein lichtschwaches, aber vergleichsweise massereiches Objekt, dessen Überrest sich schwer aufspüren lässt. Welche Erklärung zutrifft, bleibt offen.
Eine bereits Ende 2023 veröffentlichte spektroskopische Untersuchung liefert zusätzliche Hinweise auf die bewegte Vergangenheit von Arp 263. Dafür wurde das Licht der Galaxie entlang mehrerer schmaler Beobachtungsstreifen mit einem Sechs-Meter-Teleskop zerlegt. Die Messungen zeigten, dass sich das Gas im inneren Bereich vergleichsweise regelmäßig dreht, während es weiter außen deutlich von geordneten Bahnen abweicht.
Besonders auffällig ist eine Kette leuchtender Gasgebiete am Rand der Galaxie. Ihre Bewegung passt nach der Interpretation der Studie zu Material, das bei einer Begegnung hinausgeschleudert wurde und nun zurückfallen könnte. Trotz zahlreicher aktiver Sternentstehungsgebiete fanden sich dabei keine Hinweise auf einen außergewöhnlich starken Sternenboom in der gesamten Galaxie.