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Gigantische Sonnenschirme im Weltraum könnten die Erde abkühlen
Abkühlung aus dem All: Ein riesiger Schwarm reflektierender Sonnensegel könnte nach einer aktuellen Konzeptanalyse rund ein Prozent des Sonnenlichts von der Erde fernhalten und sie im globalen Mittel um etwa ein Grad kühlen. Doch die dafür nötige Weltraumlogistik übersteigt heutige Möglichkeiten bei Weitem, und ein praxistauglicher Nachweis fehlt.
Los Angeles (U.S.A.). Eine kleine Veränderung der einfallenden Sonnenstrahlung könnte ausreichen, um die Energiebilanz der Erde spürbar zu beeinflussen. Statt das Sonnenlicht erst in der Atmosphäre zurückzuwerfen, ließe es sich durch riesige Strukturen im Weltraum abfangen. Solche Konstruktionen existieren allerdings bislang nur als Entwürfe.
Im Unterschied zu Maßnahmen gegen Treibhausgase würde ein Sonnenschirm die Ursache der Erwärmung nicht beseitigen. Er könnte lediglich einen Teil der zusätzlichen Wärmezufuhr ausgleichen, während Kohlendioxid und andere klimawirksame Gase in der Atmosphäre verbleiben. Die entscheidende Frage ist deshalb, ob eine solche Abschirmung überhaupt steuerbar und in ausreichender Größe herstellbar wäre.
Das Planetary Sunshade Institute hat für einen im Oktober 2026 vorgestellten Forschungsüberblick sechs mögliche Bauweisen untersucht und ihre Klimaeffekte modelliert. Das von Morgan Goodwin koordinierte Projekt wurde von der britischen Advanced Research + Invention Agency (ARIA) mit rund 400.000 Pfund gefördert. Es sollte zunächst aussichtsreiche Konzepte und ihre Schwachstellen identifizieren, nicht eine fertige Anlage entwickeln.
Ein bevorzugter Entwurf setzt auf rund 5.000 sogenannte Heligyros, gewaltige Raumfahrzeuge mit langen, rotierenden Sonnensegeln. Jedes wäre im Durchmesser etwa 40 Kilometer groß und besäße rund zehn Kilometer lange Aluminiumstreifen. Zusammen könnten sie nach den Projektabschätzungen ungefähr ein Prozent der Sonnenstrahlung abschirmen und die globale Mitteltemperatur um etwa ein Grad senken.
Vorgesehen ist eine Position in der Nähe des ersten Lagrange-Punktes zwischen Erde und Sonne, rund zwei Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Dort lässt sich die Anziehung von Erde und Sonne mit dem Druck des Sonnenlichts auf die Segel in ein für die Steuerung nutzbares Gleichgewicht bringen. Ein einzelner starrer Schirm wäre dafür nicht nötig.
Die Größe des geplanten Schwarms zeigt jedoch das eigentliche Problem: Für die Segelkonstruktionen veranschlagt das Institut insgesamt etwa 50 bis 100 Millionen Tonnen Material. Der überwiegende Teil der Aluminiumflächen und der Siliziumseile soll deshalb einmal aus Rohstoffen vom Mond entstehen. Nur besonders komplexe Bauteile wie Steuercomputer und Antriebe wären für die Herstellung auf der Erde vorgesehen.
Noch existiert eine solche industrielle Produktion auf dem Mond nicht. Auch der regelmäßige Transport riesiger Materialmengen ins All müsste erst entwickelt und stark ausgeweitet werden. Das Institut hält einen realisierbaren Sonnenschirm in 20 bis 40 Jahren für denkbar, betont aber selbst die Abhängigkeit von Schwerlastraketen und einer künftigen Mondwirtschaft. Dass keine neuen Naturgesetze nötig wären, ist noch kein Nachweis praktischer Machbarkeit.
Auch ein kontrollierter Schwarm winziger Staubteilchen könnte theoretisch einen Teil des Sonnenlichts ablenken. Für ein neues Staubkonzept beziffert das Institut den möglichen Massenvorteil gegenüber verbreiteten Sonnensegelentwürfen auf den Faktor 600. Doch die dafür notwendige Technik, um eine solche Wolke über längere Zeit zu steuern und bei Bedarf wieder zu entfernen, befindet sich erst in einer frühen Entwicklungsphase.
Ein weiterer Ansatz wäre, bestimmte Anteile des Sonnenlichts gezielt abzuschwächen, statt alle Wellenlängen gleichermaßen zu dämpfen. Das könnte möglicherweise einige Folgen für Verdunstung und Niederschläge mildern. Die entsprechenden Ergebnisse werden vom Institut allerdings ausdrücklich als sehr vorläufig eingestuft.