// SCINEXX — SPAZIO & SCIENZA
Veganer Honig könnte starke antimikrobielle Eigenschaften wie Mānuka besitzen
Eine pflanzliche Honigalternative aus Zucker und Inulin bremst einen schwer behandelbaren Krankheitserreger zunächst nur unvollständig. Durch bestimmte Zusätze wurde sie im Labor jedoch bakterienabtötend, wie Versuche mit Mycobacterium abscessus zeigen. Das Verfahren könnte eine Grundlage für bienenfreie antimikrobielle Produkte liefern, ist aber noch keine erprobte Behandlung.
Birmingham (England). Manuka-Honig ist für seine antibakteriellen Eigenschaften bekannt und wird deshalb für medizinische Anwendungen untersucht. Als wichtiger Wirkstoff gilt Methylglyoxal, während auch Wasserstoffperoxid zur keimhemmenden Wirkung vieler Honigsorten beitragen kann. In früheren Untersuchungen wurden etwa Beschichtungen mit Manuka-Honig gegen Infektionskeime erprobt.
Die Zusammensetzung natürlichen Honigs schwankt jedoch, und seine Gewinnung ist an Honigbienen gebunden. Eine künstliche Rezeptur ohne Bienenbestandteile könnte sich besser standardisieren lassen, müsste dafür aber mehr leisten als bloß Zucker bereitzustellen. Entscheidend ist, ob sich die antibakteriellen Komponenten gezielt nachbilden lassen.
Forscher der Aston University um Dr. Jonathan A. G. Cox haben dafür eine pflanzliche Honigalternative im Labor untersucht. Sie testeten veränderte Rezepturen gegen Mycobacterium abscessus, ein gegen viele Antibiotika resistentes Bakterium, das unter anderem schwer behandelbare Lungen-, Haut- und Weichteilinfektionen auslösen kann.
Die Ausgangsmischung enthält unter anderem Zucker, Inulin und pflanzliche Zutaten, aber keine Bestandteile von Bienen. In Nährlösungen wurde geprüft, ob die jeweiligen Zusätze das Bakterienwachstum stoppen und ob die behandelten Keime anschließend auf frischem Nährboden erneut wachsen. Der unveränderte Honigersatz verringerte zwar teilweise das Wachstum, tötete die Bakterien aber nicht ab.
Ein deutlicher Effekt zeigte sich nach Zugabe der Enzyme Glucoseoxidase und Invertase, die zur Bildung von Wasserstoffperoxid beitragen. Bereits bei 0,014 Gramm der angereicherten Honigalternative pro Milliliter Testflüssigkeit wuchsen die Bakterien nicht mehr. Auch beim anschließenden Übertragen auf festen Nährboden blieb neues Wachstum aus, was auf eine bakterienabtötende Wirkung hindeutet.
In Einzeltests stoppte Wasserstoffperoxid das Wachstum ab einer Konzentration von zehn Millimol pro Liter und tötete die Keime auch ab. Für Methylglyoxal lag diese Schwelle bei 2,5 Millimol pro Liter. Das aus Bienen stammende Abwehrprotein Defensin-1 zeigte bei den untersuchten Konzentrationen dagegen keinen vergleichbaren Effekt.
Zusätzlich versetzten die Forscher den Honigersatz mit Dihydroxyaceton, aus dem sich Methylglyoxal bilden kann. Bei einer Lagerung von 37 Grad Celsius entwickelte die Mischung im Verlauf mehrerer Wochen eine stärkere antibakterielle Wirkung, während Proben bei vier Grad Celsius deutlich schwächer blieben. Unter bestimmten Bedingungen wurden auch bei diesem Ansatz Bakterien abgetötet.
Die tatsächlich gebildeten Mengen an Methylglyoxal und Wasserstoffperoxid ließen sich in den Mischungen allerdings nicht direkt bestimmen. Außerdem verstärkte die zusätzliche Dihydroxyaceton-Behandlung die Wirkung der Enzymmischung nicht weiter, sodass eine besondere Wirkstoffverstärkung durch die Kombination bislang nicht belegt ist.
Die Experimente wurden an Kulturen eines einzigen Bakterienstamms durchgeführt und nicht an infizierten Wunden oder Menschen. Auch mögliche Schäden an menschlichen Zellen durch die angereicherten Mischungen wurden nicht untersucht. Ein direkter Vergleich mit natürlichem Manuka-Honig innerhalb dieser Versuche fehlt ebenfalls, weshalb eine gleichwertige medizinische Wirkung noch nicht nachgewiesen ist.