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Steinzeitmenschen brauchten mehr als Wasser, um Arabiens Wüste zu besiedeln
Seen mitten in der heutigen Sandwüste: Während feuchter Klimaphasen gab es im Inneren Arabiens reichlich Süßwasser. Doch eine neue Untersuchung liefert einen Grund, warum sich dort offenbar kaum dauerhafte Siedlungen entwickelten. Geeignetes Gestein für Steinwerkzeuge fehlte, und erst die Kombination beider Ressourcen erklärt die bekannten Fundplätze besser.
Prag (Tschechien). Wo heute kilometerlange Dünenfelder liegen, glitzerten zeitweise Seen und erstreckten sich Graslandschaften. Solche feuchten Phasen machten die Arabische Halbinsel für frühe Menschen zugänglicher und gelten als mögliche Zeitfenster ihrer Wanderungen aus Afrika. Doch Wasser allein sagt offenbar wenig darüber aus, wo Menschen tatsächlich länger blieben.
Denn zum Leben in der Steinzeit gehörten Klingen, Schaber und andere Werkzeuge aus geeignetem Gestein. Lässt sich das Material nicht vor Ort finden, muss es über weite Entfernungen mitgeführt und regelmäßig ersetzt werden. Gerade im Inneren der riesigen Rub-al-Chali-Wüste könnte dieser Mangel zur entscheidenden Hürde geworden sein.
Forscher der Universidade do Algarve (UAlg) um Jeffrey I. Rose haben nun die Verteilung alter Seen und geeigneter Rohstoffe mit steinzeitlichen Fundplätzen verglichen. Grundlage war unter anderem eine rund 1.500 Kilometer lange geologisch-archäologische Erkundung durch die Rub al-Chali in Saudi-Arabien. Sie führte 2023 durch ein Gebiet, dessen frühere Süßwasservorkommen bislang kaum systematisch auf Spuren menschlicher Besiedlung untersucht worden waren.
An 55 der insgesamt 125 untersuchten Stellen fanden sich Ablagerungen ehemaliger Seen. Die untersuchten Ablagerungen wurden mit andernorts datierten Seeschichten in Beziehung gesetzt, die zum Teil rund 122.000 bis 67.000 Jahre alt sind. Trotz der alten Wasserstellen blieb die Suche nach bearbeiteten Steinen und anderen Hinweisen auf menschliche Nutzung im Wüsteninneren erfolglos.
„Wir standen am Ufer eines alten Sees nach dem anderen und fanden doch nichts von Menschenhand Geschaffenes. Wasser ohne Stein war eine Sackgasse“, fasst Rudolf W. Dellmour von der Universität Wien zusammen.
Dass die steinzeitlichen Spuren fehlten, war wohl kein bloßer Zufall der schlechten Erhaltung. Auf weiten Strecken konnten kleinste Muschelschalen und Bruchstücke von Straußeneiern direkt an der Oberfläche erkannt werden. Die Bodensicht lag auf den freiliegenden Untersuchungsflächen nach Angaben der Studie bei über 95 Prozent.
Entscheidend dürfte die Gesteinsverteilung sein: Auf einem rund 800 Kilometer langen Abschnitt durch das zentrale Becken kamen an der Oberfläche keine zur Werkzeugherstellung geeigneten Rohstoffe vor. An zehn der 125 Prüfpunkte wurde solches Material gefunden, jedoch nur an den Rändern der Wüste. Manche alten Seebecken lagen mehr als 200 Kilometer von den nächsten bekannten Vorkommen geeigneten Gesteins entfernt.
Die einstigen Seen wurden zudem oft durch Grundwasser gespeist. Anders als Flüsse transportierte dieses Wasser keine größeren Gerölle aus entfernten Gebirgen in die Becken, die als Rohstoff hätten dienen können. Eine längerfristige Besiedlung hätte daher einen stetigen Nachschub an Werkzeugstein von weit her erfordert.
„Modelle, die allein Klima und Wasser berücksichtigen, können erheblich überschätzen, wie viel von der Wüste für urzeitliche Menschen tatsächlich bewohnbar war“, erklärt Roman Garba vom Archäologischen Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Prag (IAP).