// TAGESSCHAU WIRTSCHAFT — FINANZA
Bundesnetzagentur fördert den Bau elf neuer Gaskraftwerke
Die Bundesnetzagentur vergibt erstmals eine Förderung für neue Gas-Reservekraftwerke. In Brandenburg, NRW und Sachsen sind die meisten Projekte geplant. Mehrere Unternehmen profitieren.
Die Energiekonzerne RWE und LEAG gehören zu den Gewinnern der ersten Ausschreibung für neue Kraftwerke zur Absicherung der Stromversorgung in Deutschland. Die Bundesnetzagentur erteilte insgesamt elf Zuschläge für eine Leistung von rund 5.160 Megawatt, wie die Behörde heute mitteilte.
Davon entfielen zehn Zuschläge auf RWE und den ostdeutschen Braunkohlekonzern LEAG inklusive seiner Tochter Gaskraftwerk Leipheim. Zum Zuge kamen außerdem die Stadtwerke Karlsruhe. Die neuen Anlagen sollen ab November 2031 die Stromversorgung sichern, wenn andere Quellen nicht genügend Energie liefern.
Die Bundesregierung plant im großen Stil neue Gaskraftwerke, Ministerin Reiche spricht von mindestens 20 Gigawatt.
mehr
Die Betreiber erhalten über 15 Jahre eine Vergütung für die Bereitstellung ihrer Leistung. Rein rechnerisch beläuft sich die Förderung auf etwa zwölf Milliarden Euro. Die Kosten sollen die Stromkunden per Umlage tragen. Die erste Ausschreibung war deutlich überzeichnet. Für die ursprünglich ausgeschriebenen 4.500 Megawatt gingen 41 Gebote über insgesamt knapp 12.000 Megawatt ein.
Sieben Gebote wurden wegen formaler Mängel ausgeschlossen. Dass mehr Leistung als vorgesehen vergeben wurde, liegt an einer gesetzlichen Regelung, wonach auch das Gebot berücksichtigt wird, mit dem die Ausschreibungsmenge erstmals überschritten wird.
Der Wettbewerb drückte nach Angaben der Netzagentur die Förderkosten. "Wir bringen die Kraftwerksstrategie aus der Planung in die Umsetzung und schaffen damit die Grundlage für eine sichere und bezahlbare Stromversorgung", erklärte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche in Berlin. Mit den neuen Gaskraftwerken werde gesicherte Leistung geschaffen, die spätestens ab 2031 dann zur Verfügung stehe, wenn Wind und Sonne nicht ausreichend Strom lieferten. Bis 2038 will Deutschland zudem aus der Kohleverstromung ausgestiegen sein.
Der durchschnittliche Zuschlagswert der Ausschreibung lag bei 155.296 Euro je Megawatt anrechenbarer Leistung und Jahr und damit deutlich unter dem Höchstpreis von 244.000 Euro. Daraus ergeben sich jährliche Förderzahlungen von rund 800 Millionen Euro. Über die Vertragslaufzeit von 15 Jahren summieren sie sich rechnerisch auf etwa zwölf Milliarden Euro. Die Nettokosten könnten aber geringer ausfallen, weil Betreiber bei sehr hohen Strompreisen einen Teil ihrer Erlöse abführen müssen.
Die neuen Kraftwerke sollen später auch mit Wasserstoff laufen - und so klimaneutral werden.
mehr
Kritik kam von den Grünen. "Die Ergebnisse schaffen enorme Marktmacht für die alten Kohlekonzerne RWE und LEAG", sagte Grünen-Politiker Michael Kellner gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "Monopole werden für Unternehmer und Verbraucher immer teuer." Das schlechte Ausschreibungsdesign habe sich gerächt. Die größte vergebene Leistung entfällt mit rund 2.118 Megawatt auf Nordrhein-Westfalen (drei Kraftwerke), gefolgt von Brandenburg mit 1.819 (vier) und Sachsen mit 910 Megawatt (zwei). Zwei weitere Zuschläge gingen nach Bayern und Baden-Württemberg.