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Digitalgipfel: Handwerk keine Lösung für KI-Jobverluste
Deutschland soll „KI-Nation“ werden. Das hat auch Folgen für den Arbeitsmarkt – in Berlin warnen Forscher vor Kurzsichtigkeit und Minister vor Pessimismus.
Digitalminister Karsten Wildberger während seiner Motivationsrede zu Beginn des zweiten Tags des Digitalgipfels in Berlin
Der zweite Tag des Digitalgipfels der Bundesregierung beginnt mit einer Motivationsrede: Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) wünscht sich mehr Ambitionen. Innovation sei nicht um der Innovation willen wichtig, sondern aus Verantwortung für die Gesellschaft. Das „Team nein“ sei groß, und das sei einfacher als sich auf den Weg zu machen. „Wir müssen es schaffen, dass wir als Gesellschaft wieder an morgen glauben. Dass morgen besser sein kann als heute“, mahnt der Minister.
Derzeit werden mit künstlicher Intelligenz allerdings oftmals Stellenabbau und Rationalisierungsmaßnahmen begründet. Für Alexander Schweitzer (SPD), seit Mitte Oktober Arbeits- und Sozialminister im Kabinett Merz, sind die Digitalisierungsthemen keine neuen: Er hatte bereits als Landesminister Digitalthemen verantwortet. Die Chancen, die mit Digitalisierung und KI einhergingen, seien groß, betont Schweitzer: „Die Jobs der Zukunft gibt es nicht ohne KI.“
Die Nutzung generativer KI habe sich bereits massiv verbreitet, schildert Irene Bertschek, Wirtschaftswissenschaftlerin am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim. „Wenn wir uns dann spezifische Anwendungen anschauen, etwa KI-gestützte Abläufe, dann sind wir bei deutlich weniger.“ Bei vielen Unternehmen würde Beschäftigten erlaubt, generative KI zu nutzen – und da würde genutzt, was am Markt eben verfügbar sei. Bei größeren sei das klarer geregelt. Dass der Umgang mit generativer KI im Arbeitsalltag nicht nur Chancen bringt, zeigt eine Adaptavist-Umfrage, wonach sich in Deutschland fast drei Viertel der Wissensarbeiter die Arbeitswelt vor ChatGPT zurückwünschen.
Mit dem Heranrollen der KI wird sich vieles verändern. „Der Punkt ist eigentlich: die Menschen brauchen nicht die Jobs der vergangenen 10 Jahre, sondern die der kommenden 10 Jahre“, sagt Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Nicht jeder Wegfall von Jobs sei schlecht. „Wenn die Handlangerjobs weggehen, sollten wir keine Krise draus machen“, meint Weber. Stattdessen müsste jüngeren Menschen früher Verantwortung gegeben werden.
„Wir müssen die Legacy-Unternehmen natürlich umbauen“, sagt Digitalminister Wildberger. Es müsste hinterfragt werden, was etwa in Handelsunternehmen mit KI optimiert würde. Nur der Kundenservice? Oder auch das „Assortment Planning“, also die Auswertung und Vorausberechnung von zu verkaufenden und somit vorher einzukaufenden Gütern? „Da sind 20-30 Prozent Marge drin, das ist Profit“, rechnet der frühere Media-Markt-Saturn-Chef Wildberger vor – Chancen für die Wirtschaft. Mehr KI bedeute aber nicht automatisch weniger Arbeit: 17 Prozent mehr Radiologen seien in den vergangenen zehn Jahren dazugekommen – trotz mehr bildgebender Verfahren. Am Ende brauche es den Menschen für die verantwortliche Entscheidung. Wie dringend eine politische Antwort auf solche Verschiebungen ist, unterstreicht auch ein offener Brief von über 230 Ökonominnen und Ökonomen, die vor den Folgen der KI-Revolution für den Arbeitsmarkt warnen.
Schon jetzt arbeiteten viele Menschen nach Studium oder Ausbildung in einem ganz anderen Feld, meint Arbeitsminister Schweitzer. „Was mich umtreibt: dass wir dafür sorgen, dass die Transformation nicht mit einer Zwischenstufe der Arbeitslosigkeit stattfindet.“ Das sei ein Wissensverlust für die Unternehmen, persönlich betrüblich und auch volkswirtschaftlich sehr teuer.
Bei den Lösungsansätzen warnt Arbeitsmarktforscher Weber vor Fehlannahmen: Er könne es etwa nicht mehr hören, dass nun alle ins Handwerk gehen sollten, „aus Schiss vor der KI“. Das sei nicht sinnvoll. Das System müsse auf berufliche Weiterentwicklung ausgerichtet werden, und junge Leute sollten ihren Fähigkeiten und Interessen entsprec