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Nach KI-Eklat um renommierten Literaturpreis: Prix Goncourt geht an Philippe Jaenada
Schriftsteller Philippe Jaenada: Auszeichnung für einen Cold-Case-Roman
Der französische Schriftsteller Philippe Jaenada hat den renommierten Prix Goncourt 2026 gewonnen. Der 62-Jährige wurde für seinen Roman »L'Inconnue du quai de Javel« (etwa: Die Unbekannte vom Quai de Javel) ausgezeichnet, wie die Jury in Paris bekannt gab. Er soll sich im ersten Wahlgang mit sechs zu drei Jurystimmen gegen Sylvain Prudhomme durchgesetzt haben.
Der Autor beschäftigt sich seit über zehn Jahren vor allem mit historischen Kriminalfällen. In dem rund 530 Seiten starken Roman nimmt Jaenada einen ungeklärten Mordfall aus dem Jahr 1949 in Paris in den Blick. Im Mittelpunkt steht Louise Cansot, die eines der gefragtesten Modelle der Künstler im Viertel Montparnasse war.
Bei der Rekonstruktion des Falles stützte sich Jaenada auf Gerichtsakten und Archive, zudem recherchierte er an den historischen Schauplätzen.
Auf dem deutschen Buchmarkt ist er bislang kaum präsent; seine Romane sind hierzulande bisher nicht in größerem Umfang in Übersetzungen erschienen. Für seinen Roman »La Serpe«, der ebenfalls einen Fall aus den Vierzigerjahren des letzten Jahrhunderts aufgreift, war Jaenada 2017 mit dem Femina-Literaturpreis ausgezeichnet worden.
Der Prix Goncourt gilt als bedeutendste literarische Auszeichnung Frankreichs. Er ist zwar nur mit einem symbolischen Preisgeld von zehn Euro dotiert, sorgt aber traditionell für einen massiven Anstieg der Buchverkäufe und auch für erhebliche internationale Aufmerksamkeit.
Die diesjährige Preisvergabe war von einer Debatte über künstliche Intelligenz in der Literatur überschattet gewesen. Wegen des Verdachts auf KI-Einsatz hat die Jury den kanadisch-haitianischen Schriftsteller Thélyson Orélien und dessen Roman »C'était ça ou mourir« aus der Goncourt-Auswahl genommen. Das Buch über Exil und Migration soll im Juni 2027 in Deutschland unter dem Titel »Es war das oder sterben« erscheinen.