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Vor dem Börsengang: Anthropics Schuldenberg wächst auf 156 Milliarden Dollar
In den nächsten Wochen will das KI-Unternehmen Anthropic (Claude) an die Börse gehen. Dafür mussten noch einmal neue Geschäftszahlen vorgelegt werden. Diese bescheinigen einerseits ein starkes Umsatzwachstum, andererseits sind auch die Schulden noch einmal deutlich angestiegen.
Erst kürzlich hatten wir über die aktuelle Wirtschaftslage bei Anthropic am Vorabend des geplanten Börsengangs berichtet. Allerdings lagen zu diesem Zeitpunkt nur die Bilanzen bis zur Jahresmitte vor. Das KI-Unternehmen hat aber noch einmal Zahlen zum dritten Quartal und somit bis Ende September 2026 vorgelegt.
Daraus geht nun hervor, dass der Umsatz binnen neun Monaten auf rund 33,2 Milliarden US-Dollar angewachsen ist. Das ist etwa doppelt so viel wie im ersten Halbjahr umgesetzt wurde, und zeigt, wie stark die Einnahmen in Spätsommer und Herbst gestiegen sind. Gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum (1. Januar bis 30. September 2025) stieg der Umsatz um satte 1.200 Prozent.
Allerdings fraßen die laufenden Kosten, inklusive der rund 18,8 Milliarden US-Dollar für „Compute und Infrastruktur“, die Einnahmen komplett auf. Unterm Strich bleibt ein operativer Verlust von 1,26 Milliarden US-Dollar.
Allein im dritten Quartal 2026 hat Anthropic bei etwa 17 Milliarden US-Dollar Umsatz einen Verlust von rund 23,3 Milliarden US-Dollar eingefahren. Dadurch summiert sich das Minus im laufenden Jahr nun auf 104 Milliarden US-Dollar. Allerdings ist der Großteil des Verlustes auf die Neubewertung von Wandelanleihen und anderen Finanzinstrumenten zurückzuführen, wie wir in einer anderen Meldung berichtet haben.
Dennoch muss Anthropic in seinem Börsenpapier nun einen kumulierten Verlust von rund 156 Milliarden US-Dollar ausweisen, den das Unternehmen seit seiner Gründung im Jahr 2021 angehäuft hat.
War bisher von Verpflichtungen in Höhe von 750 Milliarden US-Dollar ausgegangen worden, die primär für den weiteren Ausbau der Infrastruktur (Rechenzentren) als Kosten hinzukommen, hat Anthropic auch diese Zahlen aktualisiert. Jetzt sollen Kaufverpflichtungen und Leasingverträge ein Gesamtvolumen von sogar 895 Milliarden US-Dollar erreichen. Bis Ende 2030 werden davon knapp 448 Milliarden US-Dollar fällig. Der Rest könnte bis zum Jahr 2045 anfallen.
Bei solch hohen Investitionskosten bei zugleich tiefroten Zahlen muss Anthropic trotz des extremen Umsatzwachstums künftige Aktionäre vor dem hohen Risiko einer finanziellen Schieflage warnen. Es ist also nicht absehbar, wann und ob das Unternehmen schwarze Zahlen schreiben wird.
In ähnlicher Lage sehen sich aber auch die KI-Projekte der namhaften Konkurrenz. Der Börsengang von Anthropic wird daher auch als Test für das noch wackelige KI-Kartenhaus angesehen. Der ChatGPT-Entwickler OpenAI will auch an die Börse, hat aber dafür noch keinen konkreten Zeitraum genannt.