// SCINEXX — SPAZIO & SCIENZA
320.000 Jahre alte fossile Termitennester zeigen das frühere Klima
Fossile Termitennester sind selten und können viel über vergangene Landschaften verraten. In der südafrikanischen Kleinen Karoo haben sich acht unterirdische Bauten erhalten, deren Entstehung mindestens rund 320.000 Jahre zurückliegt. Ihre komplizierte Kammerstruktur und später entstandene Kalkkrusten geben Hinweise auf die Aktivität der Insekten und frühere Trockenphasen.
Kapstadt (Südafrika). Termiten beeinflussen ihre Umgebung nicht nur durch den Abbau von Pflanzenmaterial. Beim Graben und Bauen verändern sie auch die Durchlässigkeit und die chemische Zusammensetzung des Bodens. Ihre weichen Körper bleiben als Fossilien selten erhalten, doch die Nester können als Spuren früherer Aktivität überdauern.
Besonders unterirdische Nester sind in der fossilen Überlieferung bislang selten detailliert dokumentiert. Acht ungewöhnliche röhrenförmige Gebilde nahe Calitzdorp in der südafrikanischen Kleinen Karoo bieten nun einen solchen Einblick. Sie kamen bereits Anfang der 2000er-Jahre bei Grabungen ans Licht und wurden zunächst für mögliche Öfen früher Menschen gehalten.
Forscher der University of Cape Town (UCT) um Dr. Miengah Abrahams haben nun acht am Fundort erhaltene Strukturen mithilfe von Geländeuntersuchungen, Mikroskopie und Computertomografie analysiert. Die bis zu 1,04 Meter hohen Gebilde sind annähernd zylindrisch und erreichen einen Durchmesser von etwa 65 Zentimetern.
Ihre durchschnittlich zwölf Zentimeter dicken Wände umschließen einen hohlen Innenraum von etwa 40 Zentimetern Durchmesser. Auf der Innenseite liegen dicht übereinander angeordnete, teilweise organisch ausgekleidete Kammern, während die äußeren Bereiche unregelmäßigere Gänge enthalten. Dieses Muster und mikroskopische Hinweise auf gezielt verdichtetes Baumaterial passen besonders gut zu Termitennestern.
Vollständig sicher ist die Zuordnung dennoch nicht, denn auch Ameisen können ähnliche Bauten anlegen. Erhalten sind hier die Spuren der Bautätigkeit und keine Körper der Tiere, an denen sich die einstige Insektenart bestimmen ließe.
Um das Alter einzugrenzen, hat das Team mineralische Ablagerungen in den Nestwänden mit der Uran-Thorium-Methode datiert. Von elf untersuchten Kalkproben lieferten neun verlässliche Alterswerte, die sich zu mehreren zeitlichen Gruppen zusammenfassen lassen.
Zwei gut belegte Gruppen liegen bei 401.000 ± 46.000 und 323.000 ± 12.000 Jahren. Da sich der Kalk an bereits vorhandenen Kammern ablagerte, liefern die Messwerte keine unmittelbaren Baujahre. Als belastbares Mindestalter der Nester ergibt sich aus der jüngeren dieser beiden Gruppen ein Wert von rund 320.000 Jahren.
Eine weitere Probe ergab etwa 206.000 Jahre, doch die betreffende Kalkschicht folgt nicht erkennbar dem Verlauf der Nestkammern. Deshalb gilt dieser einzelne jüngere Messwert nicht als verlässliche Untergrenze für das Alter der gesamten Bauten.
Die einstigen Gänge wurden nicht aus fertigem Kalkstein errichtet. Vielmehr entstanden die Kalkminerale überwiegend erst nach dem Nestbau, als gelöste Stoffe im Boden ausfielen und die Wände allmählich zementierten.