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Die gestohlenen Kinder von Oleschky
2022 verschleppten russische Soldaten Hannas Sohn Anton aus einem Heim in Oleschky. Eine niederländische NGO hilft bei der Suche - doch selbst wenn sie ihn findet, ist eine Rückkehr in die Ukraine nicht sicher.
Hanna Samyschliajewa kramt ihr Handy hervor und zeigt Fotos von ihrem Sohn Anton. Die Bilder sind alles, was ihr von ihm geblieben ist. Denn im Herbst 2022 wird der damals 20-Jährige von russischen Soldaten aus einer Einrichtung für Kinder und junge Erwachsene mit schweren Behinderungen in Oleschky verschleppt.
"Damals kontaktierte mich eine Krankenschwester aus Skadowsk", erinnert sich Samyschliajewa. Die Frau habe eine Sprachnachricht geschickt und darin davor gewarnt, zurückzuschreiben oder anzurufen, da der russische Geheimdienst FSB die Telefone streng überwache und es harte Strafen gebe. "Sie sagte mir, die Minderjährigen seien in Skadowsk. Und Anton sogar in Strilkowe." Skadowsk liegt etwa 60 Kilometer südlich von Oleschky und Strilkowe knapp 200 Kilometer südöstlich.
Die russischen Behörden, die Oleschky unter ihrer Kontrolle halten, rechtfertigten die Verlegung der Heimbewohner mit den Kampfhandlungen in der Region. Die ukrainische Armee hatte damals, im Herbst 2022, gerade die Regionalhauptstadt Cherson von den Besatzern befreit.
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Doch durch die Verlegung verlieren Eltern und rechtliche Vormünder den Kontakt zu den Kindern. "Ihre Namen wurden geändert. Die Unterlagen und medizinischen Untersuchungsberichte waren völlig verstreut", erklärt Mariam Lambert. Sie leitet die niederländische NGO Emile Foundation und beschäftigt sich seit Jahren mit der Verschleppung ukrainischer Kinder durch russische Behörden.
Es sei "wirklich schwierig" gewesen, die Verschleppten zu finden, berichtet Lambert - sie seien zunächst nach Pensa verlegt worden, "tief in die Russische Föderation", dann nach Skadowsk und nach Strilkowe - die Orte, die auch die Anruferin gegenüber Hanna Samyschliajewa benannt hatte. Einer aus dem Internat in Oleschky sei einer russischen Familie übergeben worden, einem russischen Soldaten auf der Krim.
Weltspiegel
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Der Fall des Heimes in Oleschky sei besonders kompliziert, sagt Lambert. Denn viele Bewohnerinnen und Bewohner mit geistigen und körperlichen Einschränkungen seien zum Zeitpunkt ihrer Verlegung bereits volljährig gewesen. Sie gelten bei den russischen Behörden somit als Erwachsene, obwohl sie aufgrund ihres Gesundheitszustandes nicht mündig sind.