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heise+ | c’t-Story: Vertrauensfrage
Technische Innovationen sind stets willkommen – es sei denn, sie mischen sich als komplizierte, ärgerliche Hindernisse in liebgewonnene Abläufe ein.
Seit heute steht neben der Kasse im Imbiss ums Eck ein neues Gerät. Neue Geräte kommen hier selten vor. Es gibt die Fritteuse, den Kühlschrank, die Kasse und einen Toaster, den der Schorsch vor Jahren außer Betrieb genommen hat, ohne ihn wegzuwerfen. Seitdem steht der Toaster im Hinterraum.
Das neue Gerät ist handgroß, schwarz und hat ein Display, unter dem ein schmaler Ring blau leuchtet. Der Schorsch hat es zwischen die Kasse und das Glas mit den einzeln verpackten Zahnstochern gestellt. Dort liegt sonst sein Kugelschreiber an einer Kordel, weil der Schorsch der Menschheit einiges zutraut, aber nicht, dass sie einen Kugelschreiber liegen lässt. Auf dem Display steht Altersprüfung bereit. Darunter: So wenig Daten wie nötig. So viel Sicherheit wie vorgeschrieben. Ich lese das zweimal. Bei solchen Sätzen ist meistens der Anbieter am besten abgesichert.
Was ist das: Es dreht sich um Technik, ist mal spannend, mal bestürzend, mal amüsant und hat nur sehr selten ein Happy End? Richtig: die c’t-Story. Seit gut 37 Jahren hat sie ihren festen Platz im Magazin und seit einiger Zeit auch auf heise+. Mal kommt sie aus der Feder preisgekrönter Belletristik-Profis, mal sind die Verfasser hochkarätige Wissenschaftler – oder eigenwillige junge Science-Fiction-Debütanten. Viele unserer c’t-Story-Autoren haben in den vergangenen Jahren für ihre Werke renommierte Preise wie den Kurd-Laßwitz-Preis (KLP) oder den Deutschen Science-Fiction-Preis (DSFP) errungen.
Der Mainzer Florian Link leitet den Präsidialstab der Technischen Hochschule Bingen und ist dort stellvertretender Leiter des Hochschulmarketings. Einige Jahre hat er zuvor als Referent an der Stabsstelle Hochschulstrukturentwicklung des rheinland-pfälzischen Wissenschaftsministeriums verbracht. Das Phänomen Schnellimbiss, das in seiner Debüt-c’t-Story „Vertrauensfrage“ eine wichtige Rolle spielt, hat es ihm als nebenberuflichem Schriftsteller besonders angetan: Im November 2025 erschien beim Selfpublishing-Verlag United P. C. sein Roman „Die Pommes-Transformation“. Darin lösen fünf magische Kartoffeln turbulente Ereignisse aus, hinter denen eine globale, absurde Verschwörung steckt: Ausgerechnet Pommes dienen als Mittel der Unterdrückung beim Plan eines Größenwahnsinnigen, der ein System totaler Kontrolle errichten will. Hauptschauplatz und Protagonisten des Romans finden sich auch in den kurzen „Wurst- und Durstgeschichten“ des Autors wieder. Darin spießt er Zeiterscheinungen von Fantasy-Rollenspiel über Selbstzweifel, Rassismus und Generationenkonflikte bis zur Smartphoneabhängigkeit auf. Die Episoden stehen online zum Lesen bereit sowie als eingesprochene Hörgeschichten, etwa bei YouTube im Kanal @wurstzeitblog9908.
Der Hape betrachtet das Gerät von unserem Lieblingsstehstammtisch aus mit schiefgelegtem Kopf. So fangen bei ihm meistens Kunstprojekte an. Der Schorsch wendet hinter dem Grill eine Wurst und raucht zum geöffneten Hinterfenster hinaus, wobei nur der Arm und der Rauch draußen sind. Der Rest von ihm hält sich für regelkonform. Auf meine Frage erklärt er, der Zahlungsdienstleister habe ihm den Altersprüfer hingestellt. Pilotbetrieb. Wer Bier kaufe, könne mit einer digitalen Brieftasche nachweisen, dass er über achtzehn sei, ohne Namen, Adresse oder Geburtsdatum zu zeigen. Ihm als Imbissbetreiber verspreche der Anbieter weniger Ärger bei Kontrollen und einen kleinen Nachlass auf die Versicherung. Der Hape meint, der blaue Ring wirke verbindlich. Na ja. Ich bestelle ein Bier.
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