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Tierisch vs. pflanzlich: Gibt es Unterschiede beim Testosteronspiegel je nach Eiweißquelle?
Ob Eiweiß aus tierischen oder pflanzlichen Lebensmitteln stammt, könnte mit dem Hormonhaushalt von Männern zusammenhängen. Eine Auswertung von 2.546 Männern zeigt etwas niedrigere Gesamttestosteronwerte bei höherem Verzehr tierischen Proteins, während pflanzliches Eiweiß mit höheren Werten verbunden war. Ob die Unterschiede gesundheitlich relevant sind, bleibt ungeklärt.
Kuopio (Finnland). Testosteron beeinflusst unter anderem die Sexualfunktion, den Muskelaufbau und die Knochengesundheit von Männern. Wie viel von dem Hormon im Blut zirkuliert, hängt beispielsweise von Alter, Körpergewicht und Lebensgewohnheiten ab. Auch die Ernährung könnte dazu beitragen.
Bisher war nur wenig darüber bekannt, wie die Menge und vor allem die Herkunft des aufgenommenen Eiweißes mit dem Testosteronspiegel zusammenhängen. Pflanzliche und tierische Lebensmittel unterscheiden sich nicht nur in ihren Proteinen, sondern auch in anderen Nährstoffen, die mit dem Hormonhaushalt zusammenhängen könnten.
Forscher der University of Eastern Finland (UEF) um Jyrki K. Virtanen haben nun die Ernährung und Hormonwerte von 2.546 Männern aus Ostfinnland untersucht. Die Teilnehmer waren zum Zeitpunkt der Datenerhebung zwischen 42 und 60 Jahre alt. Grundlage war die langjährige Kuopio Ischaemic Heart Disease Risk Factor Study.
Zwischen 1984 und 1989 hielten die Männer ihre Ernährung jeweils an vier Tagen schriftlich fest. Aus Blutproben bestimmte das Team die Konzentration des gesamten Testosterons und des Sexualhormon-bindenden Globulins (SHBG), eines Proteins, das Testosteron im Blut bindet. Bei der statistischen Auswertung berücksichtigten die Wissenschaftler unter anderem Alter, Körpergewicht, Bewegung, Rauchen und weitere Ernährungsfaktoren.
Dabei zeigte sich ein gegenläufiges Muster. Im Viertel der Männer mit dem höchsten Verzehr tierischen Proteins lag die durchschnittliche Gesamttestosteronkonzentration um 1,2 Nanomol pro Liter niedriger als im Viertel mit dem geringsten Verzehr. Bei pflanzlichem Protein lag der Wert in der höchsten Verzehrgruppe dagegen um 1,1 Nanomol pro Liter höher als in der niedrigsten. Auch das SHBG zeigte entsprechende Unterschiede.
Ein genauerer Blick auf die Lebensmittelgruppen zeigt, dass sich nicht alle tierischen Proteinquellen gleich verhielten. Vor allem Eiweiß aus Milchprodukten und insbesondere fermentierten Milchprodukten war mit geringeren Konzentrationen von Gesamttestosteron und SHBG verbunden. Bei Fleischprotein zeigte sich dagegen nur ein Zusammenhang mit niedrigerem SHBG, nicht mit dem Gesamttestosteron.
Für Eiweiß aus Fisch und Eiern ergaben die entsprechend angepassten Analysen keine statistisch eindeutigen Zusammenhänge mit den untersuchten Hormonwerten. Auf pflanzlicher Seite waren insbesondere Proteine aus Gemüse und anderen Quellen außerhalb von Getreide mit höheren Gesamttestosteronwerten verbunden. Dazu zählen beispielsweise Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen.
Entscheidend ist außerdem die Unterscheidung zwischen gesamtem und freiem Testosteron. Das freie Hormon ist nicht an Transportproteine gebunden und wurde in der Studie rechnerisch bestimmt. Für diesen Wert fielen die Ergebnisse weniger einheitlich aus. Auch Modelle zum rechnerischen Austausch tierischer durch pflanzliche Proteine lieferten überwiegend keine statistisch eindeutigen Veränderungen der Hormonwerte.
Die festgestellten Unterschiede sind statistische Zusammenhänge und kein Nachweis einer Wirkung bestimmter Lebensmittel. Denn die Ernährung und die Hormonwerte wurden in einer Querschnittsanalyse betrachtet, ohne dass die Teilnehmer gezielt ihre Proteinquellen wechselten. Auch andere Eigenschaften der Ernährung oder des Stoffwechsels könnten die beobachteten Muster mitverursacht haben.