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EU verhängt Sanktionen gegen Scam-Center in Südostasien
Der EU-Rat verhängt restriktive Maßnahmen gegen Kriminelle und Firmen in Südostasien, die groß angelegte Betrugszentren betreiben und Menschen versklaven.
Die EU geht gegen südostasiatische Scam-Center vor, die weltweiten Krypto-Betrug mit schwersten Menschenrechtsverletzungen verknüpfen. Der EU-Rat hat am Donnerstag beschlossen, Sanktionen gegen sieben Einzelpersonen und drei Organisationen zu erlassen.
Die Vertreter der Mitgliedstaaten werfen den Betroffenen vor, für Menschenhandel, Folter sowie grausame und erniedrigende Behandlung im Zusammenhang mit organisiertem Betrug in Südostasien verantwortlich zu sein. Die straff organisierten Netzwerke locken Opfer aus aller Welt unter falschen Versprechungen an, halten sie gewaltsam fest und zwingen sie zu systematischem Online-Betrug.
Im Mittelpunkt der neuen EU-Strafmaßnahmen steht die Prince Holding Group mit ihrem Geschäftsführer Chen Zhi. Dabei handelt es sich um einen in Kambodscha ansässigen Unternehmenskomplex, der über ein Vermögen von mehreren Milliarden US-Dollar verfügt. Über ein weitverzweigtes Geflecht aus Scheinfirmen hat die Gruppe laut dem Rat Scam-Center in Kambodscha sowie Myanmar aufgebaut und betrieben.
In diesen Einrichtungen werden demnach vor allem Investitionsbetrügereien mit Kryptowährungen wie Bitcoin organisiert. Die dorthin gelockten Arbeitskräfte geraten in eine moderne Form der Sklaverei. Wer sich Anweisungen widersetzt oder die vorgegebenen Quoten beim Krypto-Betrug nicht erfüllt, dem drohen schwere Misshandlungen, Entführungen, Freiheitsberaubung und Folter, wie Opfer berichten.
Ebenfalls auf der Sanktionsliste steht die Jin Bei Group und ihr Geschäftsführer Zhu Zhongbiao. Das Unternehmen betreibt in Kambodscha ein Netz aus Casinos und Betrugszentren, die auf die gleiche Masche setzen. Neben dem Ziel, Anleger weltweit über gefälschte Investitionsplattformen um ihre Ersparnisse zu bringen, sollen die Glücksspieleinrichtungen auch als Infrastruktur für Cyberkriminalität und Menschenhandel dienen.
Ein weiterer Schlag der EU richtet sich gegen die Democratic Karen Benevolent Army (DKBA). Die bewaffnete Gruppe in Myanmar kontrolliert strategisch wichtige Gebiete rund um die Stadt Myawaddy an der Grenze von Myanmar zu Thailand. Sie soll kriminellen Syndikaten Schutz gewähren und den Betrieb der Betrugskomplexe in ihrem Machtbereich ermöglichen.
Berichten zufolge beschränken sich die Soldaten der Miliz nicht auf Schutzgelderpressung. Sie sollen auch direkt an Gewalttaten und der Bewachung von Opfern beteiligt sein, die in den Zentren gefangen gehalten werden.
Die Strafmaßnahmen greifen sofort. Sämtliche Vermögenswerte der gelisteten Personen und Firmen in der EU werden unverzüglich eingefroren. Ferner ist es allen EU-Bürgern und europäischen Unternehmen untersagt, den Betroffenen finanzielle Mittel oder wirtschaftliche Ressourcen bereitzustellen. Für die sanktionierten Personen gilt ein Einreise- und Durchreiseverbot für das EU-Gebiet. Die entsprechenden Rechtsakte sind im Amtsblatt veröffentlicht und damit rechtsgültig.
Die Bestimmungen stützen sich auf die 2020 eingerichtete globale EU-Sanktionsregelung im Bereich der Menschenrechte. Dieses Instrument ermöglicht es der EU, zielgerichtet Individuen und Organisationen weltweit zu belangen, die für schwere Menschenrechtsverstöße verantwortlich sind. Der aktuelle Beschluss knüpft an vorangegangene Sanktionen vom Oktober 2024 an. Diese richteten sich etwa gegen die Chit Linn Myaing Group (CLM) und ihren Gründer Oberst Saw Chit Thu. Diese Firmengruppe soll ebenfalls an Betrugsfabriken an der Grenze zwischen Thailand und Myanmar beteiligt sein und aus deren Aktivitäten Gewinne ziehen. Der zusätzliche Schritt unterstreicht die Entschlossenheit der EU, transnationale kriminelle Netzwerke in Südostasien zu zerschlagen, Opfer zu schützen und die Hintermänner zur Rechenschaft zu ziehen.